Barth vollzieht Paradigmenwechsel: Stadecken-Elsheim jetzt endlich „eine Gemeinde.“

weihnachtsschmuckSchluss mit „Doppelgemeinde.“ Nachdem seit der Gebietsreform 1979 und der Zusammenlegung der beiden Dörfer Elsheim und Stadecken ein paar Ewiggestrige und Betonköpfe auch heute noch der vormaligen Eigenständigkeit der beiden Ortsteile nachtrauern und geradezu so tun, als ob es diesseits und jenseits der Selz ethische und kulturelle Unterschiede gäbe und soziale Gräben bestünden, hat der nebenberuflich tätige Ortsbürgermeister die Ärmel hochgekrempelt und diesem Irrglauben und Spuk jetzt endlich ein Ende gesetzt und dabei einen historischen Paradigmenwechsel vollzogen, der demnächst in die Ortsgeschichte eingehen wird.

Im Zusammenhang mit der „probeweisen“ Verlegung des diesjährigen Weihnachtsmarktes an die Selztalhalle hat lt. einem Artikel in der AZ Mainz Barth in der Gemeinderatssitzung am 02.11.2016 jetzt amtlich verkündet dass „Seit fünf Jahrzehnten (…) Stadecken-Elsheim eine Gemeinde“ ist und es deshalb sinnvoll sei, „den Weihnachtsmarkt an zentraler Stelle zu veranstalten.“ Ab sofort kennt Barth keine Stadecker oder Elsheimer mehr, sondern nur noch Stadecken-Elsheimer. Jetzt wird Stadecken-Elsheim endlich eine richtige Gemeinde.

Allerdings liegt dem Beschluss über die Verlegung keine historisch-kulturelle oder politische Absicht zugrunde, sondern es spielen ausschließlich profan-logistische Gründe eine Rolle: „Wasser, Strom, Toiletten – alles da“, betonte Ortsbürgermeister Thomas Barth (CDU)“ und somit alles in Butter. Offensichtlich ist ihm nicht bekannt, dass es „Wasser, Strom, Toiletten“ auch auf dem Burggelände oder in Elsheim gibt.

Andere Ratsmitglieder überschlagen sich ebenfalls mit wirren Argumenten und schlagen sich für die Verlegung in die Bresche. So weist die 1. Beigeordnete „Helene“ Doll darauf hin, dass der Aufbau bisher weitgehend von den Bauhof-Mitarbeitern erledigt wurde, und „das kostet.“ Offensichtlich tritt sie dafür ein, die Bauhof-Mitarbeiter nicht mehr einzusetzen und schließt auch nicht aus, dass aus Geldmangel zukünftig ganz auf den Weihnachtsmarkt verzichtet werden muss. Denn besorgt fragt sie sich, ob sich die Gemeinde diese horrenden Ausgaben „in Zukunft noch leisten kann.“ Und Hauswirtschaftsmeisterin Ellen Willersinn besticht und überzeugt mit folgender Kostenanalyse: „Wir sagen, wir müssen sparen – der Weihnachtsmarkt am zentralen Punkt trägt dazu bei.“ Gegen solch eine geballte Wirtschaftskompetenz fallen die Argumente von Manfred Rau, dass bisher Straßen gesperrt werden mussten, und von Heidi Burkhart, dass „Anschaffungen für dortige Zwecke (…) mehrfach genutzt werden“ könnten, vergleichsweise dürftig aus.

Dennoch, wir stellen erfreut fest, dass es im Gemeinderat offensichtlich zu einem zweiten Paradigmenwechsel gekommen ist: Weg von der Verschwendung von Steuergeldern, hin zu einem kostenbewussten Ausgabegebaren. Deshalb hier gleich unser erster Vorschlag für weitere Kosteneinsparungen:
In nächsten Jahr sollen die Stadecker und Elsheimer Kerb erstmals probeweise an 2 Tagen auf dem Sportplatz in Elsheim und nicht, wie gewohnt, jeweils 5 Tage und abwechselnd in den alten Ortskernen von Stadecken und Elsheim. „Wasser, Strom, Toiletten – alles da“, es müssen keine Straßen gesperrt werden, der Aufbau muss nicht von den Bauhof-Mitarbeitern erledigt werden – „das kostet“ dann nichts, und die „Anschaffungen für dortige Zwecke könnten mehrfach genutzt werden.“ Denn wie würde es Frau Willersinn hauswirtschaftsmeisterlich zusammenfassen: „Wir sagen, wir müssen sparen – die Kerb am zentralen Punkt trägt dazu bei.“
Weitere Einsparungsvorschläge vom Forum erfolgen in Kürze.

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2 Gedanken zu „Barth vollzieht Paradigmenwechsel: Stadecken-Elsheim jetzt endlich „eine Gemeinde.“

  1. „So weist die 1. Beigeordnete „Helene“ Doll darauf hin, dass der Aufbau bisher weitgehend von den Bauhof-Mitarbeitern erledigt wurde, und „das kostet.“

    Das man mit Steuergeldern restriktiv umgehen sollte, versteht sich eigentlich von selbst. Ich verstehe aber nicht, weshalb der Einsatz der Bauhof-Mitarbeiter zusätzlich Geld kostet. Ich gehe davon aus, dass die Mitarbeiter des Bauhofes ein konstantes Monatsgehalt erhalten und keinen Honorarlohn nach Anwesenheit. Wenn die Mitarbeiter den Aufbau während der normalen Arbeitszeit mitgestalten und keine Überstunden leisten, ist die Aufbau-Tätigkeit kostenneutral.

    1. Ja, „Helene“ Doll redet manchmal ganz schön wirres Zeug. Darauf können wir aus Zeitgründen nicht immer eingehen. Aber es ist schon mehr als peinlich, mit solch einem Schwachsinn die Verlegung des Weihnachtsmarktes an die Selztalhalle zu begründen. Noch peinlicher ist es allerdings, wenn sie sich selbst die Frage stellt, ob die Gemeinde zukünftig den Weihnachtsmarkt noch „stemmen“ kann, wenn der Bauhof aus Kostengründen nicht mehr mitmacht. Das hat schon was – und zwar etwas ganz Perfides.

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