Den Bock zum Gärtner gemacht: Ex-Ortsbürgermeister Müller für Feststellung und Ausweitung von Freiflächen.

Wir hätten beinahe unseren Augen nicht getraut, als wir jetzt in der AZ Mainz unter der Überschrift CDU will die Natur stärker schützen lesen mussten, dass ein im Verbandsgemeinderat tätiges CDU-Trio sich jetzt dafür einsetzt, „Naturschutz, Landschaftspflege und Erholungsvorsorge mehr in den Mittelpunkt der politischen Diskussion zu rücken und damit den unbebauten Freiräumen im Innen- und Außenbereich einen höheren Stellenwert bei allen Entscheidungen zu geben.“ Unterstrichen wird dieser Witz noch durch die abgedroschene und kaum noch zu ertragende Phrase, „Wir wollen und müssen das diskutieren.“ Mitglied dieses Trio-Naturale ist überraschenderweise auch Ex-Ortsbürgermeister Hermann Müller, der sich offenbar einer gründlichen Gehirnwäsche unterzogen hat.

Dass ausgerechnet der bauwütige Müller, der, wie kein anderer vor ihm, jede noch so kleine Frei- und Nutzfläche, die nicht bei Drei auf den Bäumen und vor seinem Zugriff sicher war, als Baugebiet ausgewiesen und dadurch die halbe Ortsgemeinde zubetoniert hat, heute „die Natur stärker schützen“ will, ist schon ein starkes Stück und eine Ironie der Geschichte.

Ausgerechnet Müller, der südlich der Fasanenstraße im nicht-bebaubaren Außenbereich der Gemeinde rechtswidrig und unerlaubt Baugrundstücke ausweisen wollte, nur um damit in den Besitz der alten Burg auf dem Burggelände in Stadecken zu gelangen.

Ausgerechnet Müller, der scheinheilig das Motto „Innenausbau vor Außenerschließung“ vor sich her trug und während seiner gesamten Amtszeit nicht den Mut aufgebracht hat, die Besitzer von beinahe 40 Grundstücken im Innenbereich der Gemeinde zu verpflichten, ihre Grundstücke zu bebauen und Wohnraum zu schaffen, obwohl dafür das Baugesetzbuch ein ausreichendes Instrumentarium zu Verfügung stellt.

Ausgerechnet Müller, der mit der plan- und uferlosen Ausweitung von Bebauungsgebieten die Gemeindekasse füllte und mit vollen Händen das Geld für unsinnige Projekte und Prestigeobjekte ausgeben konnte. Das hat schon was. Und wenn Müller bei seinem „Kampf zur Erhaltung der Natur“ ausgerechnet noch das Gebiet zwischen Effegraben und dem Hieberg als Freifläche im Visier hat, dann wäre man doch ein Schelm, wenn man daran denken würde, dass Müller dort wohnt.

Man könnte jetzt darüber spekulieren, ob bei Müller eine Altersläuterung stattgefunden hat oder ob er aus Einsicht vom Saulus zum Paulus wurde. Diese Erklärung wäre uns zu einfach. Wir gehen eher davon aus, dass er sein Fähnchen überall dort in den Wind hält, wo es ihm persönliche Vorteile und Nutzen bringt. Wie hat Müller immer so schön geheuchelt und das Kennedy-Zitat missbraucht: „Frage nicht, was die Gemeinde für Dich tun kann, sondern frage Dich, was Du für die Gemeinde tun kannst.“ Müller hat unserer Meinung nach persönlich lieber die umgekehrte Devise bevorzugt.

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2 Gedanken zu „Den Bock zum Gärtner gemacht: Ex-Ortsbürgermeister Müller für Feststellung und Ausweitung von Freiflächen.“

  1. Der Artikel in der AZ birgt m.E. einige interessante Interpretationen:

    „schlägt der frühere Ortsbürgermeister (Müller) diese von ihm in seiner zehnjährigen Amtszeit praktizierte Strategie vor: Mit Landwirten kann man nur handeln, wenn man Flächen tauschen kann.“

    Welch eine Logik. Wenn ich im Tausch ein Stück Land bekomme, kann ich es rigoros verbauen? Und wo bekommt der Landwirt seine neue Ackerfläche her? Aus dem Zauberhut?

    “ ‚Eine wirtschaftlich starke Region braucht auch ein gutes Straßensystem mit Umgehungsstraßen, Brücken und Autobahnen‘, sagt auch Paul-Michael Lottermann Lärm und Abgasen den Kampf an.“

    Da probiert Lottermann wohl die Quadratur des Kreises. Wie will er denn Lärm und Abgase verhindern, wenn er das Straßensystem ausbaut? Die Vergangenheit zeigt, je besser das Straßensystem, umso mehr Verkehr kommt auf die Straße und weg von der Schiene! Nicht nur am Amazonas folgen Siedlungen einem gut ausgebauten Straßensystem. Der Ausbau des Straßensystems widerspricht also dem propagierten Naturgedanken.

    1. Wir haben bewusst auf eine weitere Kommentierung des wirren und populistischen Geplappers dieser 3 Selbstdarsteller und Wichtigtuer verzichtet. Da überwiegt bloße Profilierungssucht über ernstgemeinte Absicht.

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