Neujahrsempfang 2017: Aufguss einer Werbe- und PR-Veranstaltung der Gemeindeverwaltung.

Falsches steht bereits in der Einladung: Es ist nämlich nicht die „Ortsgemeinde“, sondern die Gemeindeverwaltung, die zum „traditionellen Neujahrsempfang“ am 20.01.2017 in die Selztalhalle einlädt. Das ist schon ein himmelweiter Unterschied. Denn wenn man der Einladung folgt, sollte man dort nicht gerade in Feierlaune erscheinen, denn die Veranstaltung ist von der Gemeindeverwaltung und dem nebenberuflich tätigen Ortsbürgermeister nicht zum Feiern gedacht, sondern sie nutzen den Neujahrsempfang vorrangig als Werbe- und PR-Veranstaltung sowie zur Selbst- und Eigendarstellung. Natürlich „mit einem guten Wein aus unserer Heimatgemeinde.“

Unter der Ägide des an diesem Abend vor Pathos strotzenden Ortsbürgermeisters Barth und seines Zeremonienmeisters Paschke feiert die Gemeindeverwaltung und der Ortsbürgermeister sich erst einmal selbst. Und das nicht zu knapp. In einem kurzen Jahresrückblick wird erst einmal lange auf die Pauke gehauen: Stolz ist man auf das gemeinsam Geleistete, auf die Überwindung aller Hindernisse und auf die Erfolge, die unter großen Mühen errungenen werden konnten. Jede noch so kleine Nichtig- und Selbstverständlichkeit wird zur Großtat hochgejubelt und man tut gerade so, als ob ohne den unermüdlichen Einsatz der Gemeindeverwaltung und des Ortsbürgermeister in Stadecken-Elsheim die Lichter ausgegangen wären, um dann den unvermeidlichen Blick mutig nach vorn zu werfen. Dort erblickt dann ein besorgter Ortsbürgermeister Herausforderungen, die überwunden werden müssen, Aufgaben, die nur gemeinsam bewältigt werden können und Projekte, die mit Mut und Weitsicht angegangen werden müssen. Aber auch Hoffnung wird vermittelt, nämlich dann, wenn der nebenberuflich tätige Ortsbürgermeister Zuversicht und Tatkraft in seinem markanten Antlitz aufblitzen und die Anwesenden spüren lässt, dass er die Dinger mit seiner zupackenden Art schon wuppen wird.

Begleitet wird das gesamte Gesülze und Geschwafel vom Jugendorchester der CMIKB, das zumindest mit seinen musikalischen Beiträgen dafür sorgt, dass die aufgeblasene und mit Eigenlob durchtränkte Phrasendrescherei der noch einigermaßen zu ertragen ist. Dazu dienen auch die zu Statisten degradierte Mitbürgerinnen & Mitbürger, Vereins- oder sonstige Mitglieder, die auf die Bühne gezerrt werden, weil sie sich in der Ortsgemeinde oder woanders hervorgetan haben oder schlichtweg durch andere Unauffälligkeiten aufgefallen sind. Dazu zählen nicht die vielen, ehrenamtlich tätigen Menschen in unserer Gemeinde. Nur empfinden wir es als ein große Heuchelei, wenn diesen, unentgeltlich tätigen Personen durch einen Ortsbürgermeister gedankt wird, der sich für seine eigene ehrenamtliche Tätigkeit monatlich mit einem Viertel seines Lehrergehalts bezahlen lässt.

Wie immer, findet im hinteren Teil des Selztalhalle, die an diesem Abend meist den würdevollen Flair einer Bushaltestelle versprüht, ein kostenloser Weinausschank einer der Weinbauern aus „unserer Heimatgemeinde“ statt, dessen Kosten, das Weingut mit dem SpülService hat das deutlich gemacht, sicherlich durch eine ordentliche Spendenquittung gemildert wird.

Wenn man dann, zugedröhnt vom Geschwafel und Wein, nach 2 Stunden die Selztalhalle wieder verlässt, darf man sich darauf freuen, dass der nebenberuflich tätige Ortsbürgermeister bereits schon 2 Tage später die Verkaufsveranstaltung auf der Webseite der Gemeinde und durch Frau Gisela Zumüllen in der AZ Mainz als „vollen Erfolg“ feiern lässt. Daran kann sich zwar keiner so recht erinnern, aber wer hat nicht gern an einem „vollen Erfolg“ teilgenommen?!

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