Laut § 41 Absatz 5 der Gemeindeordnung (GemO) soll die Gemeindeverwaltung die Einwohner über den sachlichen Inhalt wichtiger Ratsbeschlüsse in geeigneter Form unterrichten, wobei der Inhalt der Unterrichtung dem Ortsbürgermeister obliegt. Was der hiesige Ortsbürgermeister allerdings für wichtig und für unwichtig hält, lässt sich jetzt sehr schön an den „Informationen aus der letzten Gemeinderatssitzung vom 16.04.2018“ im Nachrichtenblatt Nr. 18 ablesen.

Unter „Punkt 14. Projekt Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen“ ist dort Folgendes aufgeführt: „Der Gemeinderat beschließt einstimmig die Verlängerung der Option bis 30.09.2018“ – 7 knappe Worte und ein Datum – mehr ist dort nicht zu lesen. Kein Mensch kann mit dieser Information etwas anfangen. Unwichtig und nicht erwähnenswert scheint dem Ortsbürgermeister die Tatsache zu sein, dass das Projekt „Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen“ wegen mangelnder Nachfrage und Interessenten in der vorgesehenen Form nicht mehr zu realisieren ist. Unwichtig erscheint dem Ortsbürgermeister ebenfalls, die Bürgerinnen & Bürger darüber zu informieren, dass das Grundstück, das die Ortsgemeinde für ca. 600.000,00 € aufgekauft hat, jetzt mehrheitlich mit dem in.betrieb an einen Investor verkauft werden soll, der dort für seinen Geschäftsbereich „Ambulantes Wohnen“ Wohnplätze für Menschen mit Behinderung errichten möchte. Das alles ist Barth nicht wichtig genug, um es öffentlich zu machen.

Was dem Ortsbürgermeister dagegen wichtig ist, kann man unter „17. Informationen/Mitteilungen Saisoneröffnung Hiwweltour“ nachlesen. Wegen der „Wichtigkeit“ dieses Ereignisses für die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen & Bürger in der Ortsgemeinde, geben wir hier den kompletten Text wieder:
„Die Saisoneröffnung der Hiwweltour war wieder ein großer Erfolg. Sehr viele Gäste sind der Einladung gefolgt. Der Vorsitzende bedankt sich bei allen Mitwirkenden für das gute Gelingen. Er wünscht sich als Bewirtung der Wanderer eine dauerhafte Nutzung der Warte als Verpflegungsstation, die nicht nur von den Winzern, sondern auch von Vereinen angeboten werden kann. Herr Eppelmann informiert, dass in der örtlichen Winzerschaft dieser Punkt umgesetzt werden soll. Er schlägt vor, dass wenn das alte Feuerwehrhaus (Bistro) nicht mehr vom jetzigen Pächter genutzt wird, dieses ebenfalls in das Bewirtungskonzept mit einzubeziehen.“

Auch auf der Webseite der Gemeinde wird die „Wichtigkeit“ der Hiwweltour groß gefeiert, wobei der Ortsbürgermeister nicht nur seinen Freunden im Bauern- und Winzerverein im Allgemeinen dankt, sondern dem „Hiwweltourpaten Jürgen Beck“ und den beteiligten Weingütern Beck, Eppelmann, Schott und dem Burghof Wolf „ein besonderes Dankeschön“ ausspricht. Das ist Barth schon wichtig – von dem gescheiterten Projekt „Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen“ und den Teilverkauf des gemeindeeigenen Grundstücks an den Investor in.betrieb zur Errichtung von Wohnplätzen für Menschen mit Behinderung ist mit keinem Wort die Rede. Ist offensichtlich auch nicht so wichtig, obwohl der Ortsbürgermeister in den vergangenen Monaten dieses Projekt wie „Sauerbier“ angeboten hat.

Und so zimmert sich ein verdrehter Ortsbürgermeister seine eigene Wirklichkeit zurecht und verdrängt alle Wichtigkeiten, die ihm nicht in den Kram passen und nicht zu seinem persönlichen Vorteil gereichen. Versagen und Pleiten werden geflissentlich unter den Teppich gekehrt, Nichtig- und Belanglosigkeiten bis zur Schmerzgrenze hochgejubelt – hier die Hiwweltour. Der Teilverkauf an den Investor in.betrieb wird bewusst verschwiegen. Oder aber es steckt Absicht dahinter und Barth scheut sich, die Bürgerinnen & Bürger darüber zu informieren, dass das Gelände jetzt überwiegend für das „Ambulante Wohnen“ genutzt werden soll und dort Menschen mit Behinderung einen Wohnplatz finden werden.

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