Nun ist die rührige Landrätin Schäfer nicht gerade für ihre Distanz und Zurückhaltung bekannt. Kein noch so nichtiges und unbedeutendes Ereignis bleibt von ihr ungenutzt, um sich nicht wichtigtuerisch in den Vordergrund zu spielen und politisch zu profilieren. Umso unverständlicher ist es, dass sie den 50-jährigen Jahrestag der Neubildung des Landkreises Mainz-Bingen nicht persönlich für sich ausschlachtet und zur Selbstdarstellung nutzt, sondern nur mit einer kleinen Wanderausstellung gedenkt, was dem Anlass angemessen und eigentlich auch genug ist.

Ganz anders in Stadecken-Elsheim, wo vor 50 Jahren im Rahmen dieser Gebietsreform die beiden Gemeinden Stadecken und Elsheim zusammengelegt wurden. Es ist eigentlich nichts geschichtlich Bedeutsames passiert, sondern es gab durch die Zusammenlegung anstatt zwei Rathäuser eben nur noch ein Rathaus. Trotzdem überschlagen sich hier die Ereignisse. Fast täglich erreichen die örtlichen Vereine Emails, in denen Ortsbürgermeister Barth (CDU) händeringend zur Mitgestaltung und Teilnahme an der Feier der Gebietsreform auffordert. Sogar für die Anfertigung eines eigenes „Gebiets-Reform-Logos“ wurden keine Kosten gescheut und  tief in die Gemeindekasse gegriffen. Zur Vorbereitung und Durchführung der Feierlichkeiten wurde extra ein Arbeitskreis gegründet, dem der Beigeordnete und „Event-Experte“ Strutz vorsteht, der schon während der Eröffnungsveranstaltung mit seiner spektakulären Taschenlampen-Lichterbrücke von der Stadecker Warte bis zum Windhäuser Hof die Menschen begeistern konnte. Ein Umzug und eine 2-tägige Festmeile sind geplant, um der Feier zur Gebietsreform den notwendig würdigen Rahmen zu geben und dem erwarteten Besucherstrom ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Ortsbürgermeister Barth (CDU) ist seit Wochen völlig aus dem Häuschen, und man hat beinahe den Eindruck, als ob er mit der Feier zur Gebietsreform den Höhepunkt und Abschluss seiner Amtszeit feiern möchte.

Stadecken-Elsheim sieht als einzige Ortsgemeinde in der Gebietsreform ein historisches Ereignis und überschlägt sich beinahe vor „Geschichtsbewusstsein.“ Während die Kreisverwaltung und alle anderen Städte und Gemeinden angesichts eines banalen Verwaltungsakts den Ball ziemlich flach halten, entsteht in unserer Ortsgemeinde ein Hype, der von einer durchgeknallten Gemeindeverwaltung zur Selbstdarstellung täglich befeuert wird. Zur korrekten, geschichtlichen Einordnung und der „historischen“ Bedeutung, hier noch einmal alle Städte und Gemeinden, die von der Rheinland-Pfälzischen Gebietsreform 1979 betroffen waren und einfach nur zur Kenntnis genommen haben:

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