Zum Fremdschämen: Unser „Markus Lanz“ aus Stadecken-Elsheim.

Am vergangenen Freitag war es wieder so weit. Die Neujahrs- und Werbeveranstaltung der Gemeindeverwaltung fand statt. Aufgrund der Erfahrungen aus den vorangegangenen Jahren haben wir schon im Vorfeld unsere Besorgnis über Inhalt, Ablauf und Stil der Veranstaltung zum Ausdruck gebracht und auf das peinliche Niveau früherer Empfänge hingewiesen (siehe hier). Wir waren also auf einiges gefasst. Doch damit, dass das Niveau der vergangenen Jahre noch weiter unterschritten werden und unsere schlimmste Befürchtung sich bewahrheiten sollte, damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet.

Gut, dass der nebenberuflich tätige Ortsbürgermeister die Veranstaltung wieder einmal dazu nutzte, alles schön zu reden und vom Versagen während seiner bisherigen Amtszeit abzulenken, dass weiß man mittlerweile und es nimmt auch keiner mehr ernst. Auch uns interessiert diese Schönrederei nicht mehr. Was uns jedoch immer wieder sauer aufstößt, sind zwei Dinge, die sich regelmäßig wiederholen: Erstens, dass sich Barth gerne mit Federn schmückt, für die andere die Arbeit gemacht haben und für die er selbst keinen Finger krumm gemacht hat. Nassauern oder schmarotzen nennt man das. Und zweitens, dass er es nicht lassen kann, umtriebig die Werbetrommel für zwei ortsansässige Weinbauern zu rühren, deren Eigentümer Mitglied im Gemeinderat und in der dortigen CDU-Fraktion sind.

Barth versteckt seine einseitige Lobhudelei für diese bevorzugte Klientel immer unter dem Mäntelchen von Prämierungen, die die beiden Winzer von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz „verliehen“ bekommen haben. Dabei grenzt die von ihm so hochgelobte Wein- und Sektprämierung eher an eine bestellte Produktauslobung und nimmt seltsame Züge an, wenn schon bei der Anmeldung „im Falle einer Auszeichnung verbindlich“ das vorgefertigte Werbe- und Verkaufsförderungsmaterial mitbestellt werden muss. Um überhaupt eine Prämie ergattern zu können, wird erst einmal für jeden eingereichten Wein und Sekt eine Grundgebühr von 31,00 € und für jede Fassanstellung weitere 15,00 € erhoben. Zusätzlich werden für jeden prämierten Qualitätswein und Sekt vorgefertigte Prämierungsstreifen im Normal- oder Prägedruck und bei Partiengrößen bis 25.000 l bis zu 328,00 € an Teilnahmegebühren berechnet. Für jede bestellte Kammerpreismünze wird dann noch einmal 5,20 € genommen. Da geht einiges an Geld über die Ladentheke. Und so wird dann auch von den Teilnehmern erwartet, dass reichlich Prämierungen fließen, was in der Regel auch geschieht. Böse formuliert, könnte man auch sagen, die Prämierungen werden quasi gekauft.

Allein die Gebührenordnung für die Teilnahme macht deutlich, dass die gesamte Veranstaltung überwiegend dazu dient, den Winzern Produktauslobungen für Werbeargumente und Werbemittel an die Hand zu geben, um ihre Weine und Sekte besser vermarkten zu können. Das ist legitim und dagegen ist auch nicht einzuwenden. Nur sollten die Prämierten nicht so aufgeblasen zurückkehren und mit ihren „Prämierungen“ so tun, als hätten Sie das Rad des Weinmachens neu erfunden. Und schon gar nicht ist es die Aufgabe eines Ortsbürgermeisters, in einer öffentlichen Veranstaltung den Reklame-August für eine von ihm gehätschelte Klientel zu spielen und die „Prämierungen“ in die Welt hinauszuposaunen. Offensichtlich ist Barth nicht bekannt, dass der Großteil der Menschen in dieser Gemeinde in allen Berufs- und Unternehmensbereichen ebenfalls einer ehrenwerten Tätigkeit nachgeht und den prämienbesessenen Winzern in Qualität und Kompetenz in nichts nachsteht. Nur können sich dafür keine Prämierungen kaufen. Und so kommen diese Menschen im Amtsverständnis des überforderten Ortsbürgermeisters überhaupt nicht vor. Dabei sind sie es, die über die Gewerbesteuer, die Grundsteuer und die anteilige Einkommensteuer die Gemeindekasse füllen, während die Wein- und Landwirtschaft durch die Befreiung von der Gewerbesteuer, der niedrigen Grundsteuer A und ihrem relativ geringen Anteil am Einkommensteueraufkommen kaum etwas zum Haushaltseinkommen der Gemeinde beiträgt.

Den Vogel der Geschmacklosigkeit bei der diesjährigen Veranstaltung hat jedoch zweifellos der selbsternannte Conférencier und Showmaster Paschke abgeschossen. Gut, darüber, dass sich dieser aufgeblasene Dampfplauderer mit dem selbstverliebten „Markus Lanz“ vergleicht, könnte man noch als eine karnevalistische Einlage aus der Bütt abtun. Wenn man jedoch zusehen musste, wie sich dieser aufgeblasene 08/15-Moderator  gegenüber einigen, im Programm aufgetretenen Gäste verhielt, dann reicht es einfach nicht mehr, über so viel Respektlosigkeit nur noch den Kopf zu schütteln. Lieblos und überheblich wurden die Programmteilnehmer auf die Bühne gezerrt, wo sie von dem dampfplaudernden Paschke erst einmal auf ihre Statistenrolle reduziert und mit niveaulosen Fragen und Kommentaren überfallen wurden. Kaum einer kam überhaupt dazu, ein vernünftiges Wort zu sagen oder auf den anstehenden Programmpunkt sinnvoll einzugehen. Da wurde von Paschke ständig am Thema vorbeigefragt und vorbeimoderiert, Antworten und Kommentare und Antworten der Befragten wurden respektlos unter- und abgebrochen. Schlussendlich hatte man den Eindruck, dass die „Statisten“ noch mit einem fast verbalen Fußtritt von der Bühne komplimentiert wurden. Das war unterste Schublade.

Ein solch würdeloses Szenario hat man lange nicht mehr gesehen und man fragt sich empört, warum sich ein so abgehobener Hansel wie Paschke überhaupt eine solche Frechheit herausnehmen darf. Fremdschämen muss man sich, wenn man bedenkt, dass eine solch durchgedrehte Knalltüte auch noch im Gemeinderat sitzt und für seine niveau- und respektlose Moderation sogar noch ein Honorar aus der Gemeindekasse erhalten hat.

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3 Gedanken zu „Zum Fremdschämen: Unser „Markus Lanz“ aus Stadecken-Elsheim.“

  1. Sie haben wieder einmal, wie so oft, keine Ahnung. Es ist falsch, dass im Vorhinein die Prämierungsstreifen bei der Weinanmeldung mitbestellt und bezahlt werden müssen. Dass ein angestellter Wein Gebühren kostet, ist legitim und ganz normal, zumal ein großer Aufwand bei der Verkostung entsteht. Die Weine werden von ausgesuchten Weinfachleuten „blind“ verkostet, beurteilt nach einer Menge Kriterien und anschließend eben prämiert oder auch nicht. Also nicht wie Sie sagen “ quasi gekauft“. Sie Dumpfbacke, um mal Ihren Jargon zu benutzen. Dass die Plaketten und Flaschenaufkleber nicht umsonst zu bekommen sind, versteht sich eigentlich von selbst. Bitte besser informieren, bevor Sie so einen Blödsinn von sich geben.

    1. Reden Sie bitte keinen Unsinn und verdrehen Sie hier nicht die Tatsachen. Wir haben mit keinem Wort behauptet, dass die Werbemittel im Voraus bezahlt werden müssen, sondern nur darauf hingewiesen, dass bereits bei der Anmeldung und im Falle einer Auszeichnung „verbindlich“ bestellt werden muss. Offensichtlich haben Sie diesen Unterschied nicht verstanden.

      Im Anmeldeformular zur Wein- und Sektprämierung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz steht wortwörtlich:

      „ Im Falle einer Auszeichnung bestelle ich verbindlich:
      □ Prämierungsmedaille
      (gegen Gebühr gemäß Punkt 5.3 der Prämierungsbestimmungen)

      Prämierungskennzeichen
      □ Rund selbstklebend – Normaldruck
      □ Rund selbstklebend – Prägedruck
      □ Streifen nassklebend – Normaldruck“

      Wir haben in unserem Beitrag glaubhaft den eindeutig kommerziellen Charakter dieser Veranstaltung nachgewiesen. Ob dabei die von Ihnen erwähnten „ausgesuchten Weinfachleute“ den Wein „blind“ probieren und nach irgendwelchen Kriterien bewerten, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Wenn Sie verstehen, was wir meinen. Sie Vollpfosten, um im Jargon zu bleiben.

    2. „Die Weine werden von ausgesuchten Weinfachleuten „blind“ verkostet, beurteilt nach einer Menge Kriterien“.

      Ich habe immer einen fahlen Beigeschmack, wenn ich von so genannten „Fachleuten“ lese. Und noch fahler wird der Beigeschmack, wenn Leute über die Güte eines Getränkes oder Essens philosophieren.

      Wie in der Kunst oder in der Musik, so ist auch Essen und Trinken im wahrsten Sinne des Wortes Geschmacksache. Alles ist diesbezüglich relativ. Da sollte sich niemand anmaßen ein Kenner oder Fachmann/-frau zu sein. Wer bestimmt denn, wer sich als Fachperson ausgeben darf?
      Was man z.B. beim Wein objektiv bewerten kann ist, ob er zuviel Sulfide oder Glykol besitzt. Ein Verkäufer spricht z.B. vom herben oder milden Wein, ein Biertrinker vom saueren oder süßen Wein.

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