Nachdem seit Jahren auf allen gesellschaftlichen Ebenen über die angespannte und prekäre Situation in der Alterspflege diskutiert wird, haben jetzt auch zwei CDU-Pappnasen ihr Fähnchen in den sozialpolitischen Wind gehängt und sich mit nichtssagenden Plattheiten und unerträglichem Geschwätz geoutet. Unter dem reißerischen und peinlichen Titel „CDU-Landtagsabgeordnete machen Pflegepraktikum in Seniorenresidenz Nieder-Olm“ haben der CDU-Hinterbänkler Barth und sein Kollege Baldauf in einer Pressemitteilung an die AZ Mainz allen Ernstes einen Blitzbesuch in der Seniorenresidenz Nieder-Olm als „Pflegepraktikum“ verkauft.

Wer eine halbtägige Stippvisite in einem Seniorenheim, in der man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mal kurz über die Schulter schaut, dreist als „Pflegepraktikum“ verkauft, der hat offensichtlich nicht nur einen größeren Dachschaden, sondern der verhöhnt auch alle sozial engagierten Menschen, die jemals eine Ausbildung oder ein Praktikum in der Alterspflege durchgestanden haben und wissen, was sich hinter der mühevollen und aufreibenden Arbeit in der Altenpflege verbirgt. Und wer sich dann noch, wie die beiden „Praktikanten“ aus der CDU, mit abgestandenen Floskeln und abgedroschenen Phrasen an dem Thema vergeht, dem sollte wegen „politischer Blasphemie“ schnellstmöglich das politische Mandat entzogen werden.

Wenn Barth (CDU) nach Beendigung seines „Praktikums“ von sich gibt, dass die mühe- und aufopferungsvolle Arbeit im Seniorenbereich „ein harter, aber auch unglaublich wichtiger Job“ ist, dann müsste man ihm allein wegen unerträglicher Dampfplauderei und übelster Phrasendrescherei das ihm zugefallene Landtagsmandat entziehen. Und wenn er dann noch, zur Darlegung seiner oppositionellen Daseinsberechtigung, von der Landesregierung einfordert, dass sie Konzepte entwickeln müsse, „um die Kooperation von Bildungs- und Pflegeeinrichtungen zu verbessern“ und „mehr Sozialpraktika in der Schule“ verlangt, dann ist das an Peinlich- und Durchschaubarkeit kaum noch zu übertreffen. Und schließlich verlangt dieser politische (Allgemein)Platzwart in dem Artikel der AZ Mainz noch, dass „Auch die Pflegekammer Rheinland-Pfalz […] besser eingebunden werden“ müsse. Ebenso gut hätte er auch die Forderung, die Altersfürsorge in die Charta der Vereinten Nationen aufzunehmen, aufstellen können.

Nicht viel besser macht es „Praktikant“ Baldauf (CDU), der Barth (CDU) in Sachen Phrasendrescherei in Nichts nachstehen möchte: „Mich hat die Energie und Motivation der Pflegekräfte beeindruckt“, heuchelt er pharisäerhaft, um sich dann noch einmal hemmungslos an das Pflegepersonal heranzuschmeißen: „Sie haben eine große Verantwortung, für welche sie leider immer noch nicht die angemessene Wertschätzung erhalten.“ Flacher und platter kann keine Anbiederung mehr sein. Die Krönung seines dumpfbackigen Geschwätzes ist dann die überraschende Erkenntnis, dass er „Ohne Nachwuchs keine Zukunftssicherung für die Pflege“ sieht. Da ist offensichtlich außer ihm bisher noch keiner drauf gekommen.

Es ist kaum noch zu ertragen, wie heuchlerisch dieses „Duo Banale“ sich an einem der wichtigsten Bereiche der Sozialpolitik vergeht und es für die eigene, politische Profilierung missbraucht. „Das Thema Pflege geht uns alle an – spätestens, wenn es uns selbst betrifft“, so Barth weise vorausschauend. Offensichtlich ist dieser Fall bei beiden CDU-Politikern schon eingetreten und man hat den Eindruck, dass beide Herren schon jetzt vom Thema Pflege betroffen sind und zumindest im geistigen Bereich Hilfe benötigen.

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