Um ihre Lokalseiten zu füllen, lässt sich die AZ Mainz immer wieder etwas Neues einfallen. Jetzt überrascht sie uns im Lokalteil Stadecken-Elsheim mit einem Interview, das sie anlässlich der Ernennung des Hinterbänklers Barth zum neuen „CDU-Sprecher in Sachen Europa“ geführt hat. Und weil das Thema überhaupt nicht so recht in den Lokalteil der Zeitung passt, versucht man krampfhaft einen lokalen Bezug herzustellen und lässt die Redakteurin Kathrin Damwitz gleich als erstes fragen, „was Europa mit Stadecken-Elsheim zu tun“ hat. So wird dann ein Schuh draus.

Gut, nun deutet der zweite Teil des Namens von Frau Damwitz schon an, dass man sie nicht so richtig ernst nehmen sollte, denn ebenso hätte sie diese Frage auch für jedes andere, x-beliebig Kuhdorf in der Europäischen Union stellen können. Barth will dem Humor der Redakteurin in Nichts nachstehen und faselt dann auch gleich von „Fördergelder“, die aus dem EU-Programm für ländliche Räume, LEADER“ geflossen sind und noch fließen werden, und von Städtepartnerschaften, „die beide Verbindungen pflegen“, und dass man dafür noch nicht einmal „perfekt Französisch oder Italienisch sprechen“ muss. Flacher geht’s eigentlich nimmer.

Nachdem sich Barth vor seiner Übernahme der „Sache Europa“ vorwiegend um Themen wie den „Obstanbau auf dem Ober-Hilbersheimer-Plateau’“, das „Schreiben nach Gehör im Landkreis Mainz-Bingen“ oder den „Krankenstand bei den Polizeiinspektionen“ in Rheinhessen gekümmert hat, greift er jetzt in die internationale Politik ein und lässt es als „CDU-Sprecher in Sachen Europa“ phrasenmäßig erst einmal so richtig krachen: Auf die saudumme Frage, warum ihm „Europa ein Herzensanliegen“ sei, antwortet Barth noch saudümmer: Weil er „überzeugter Europäer“ sei, „Sprachen liebe“ und „mit einer Spanierin verheiratet“ sei. Und mit „Wir leben täglich Europa zuhause. Die Länder verbindet sehr viel mehr als die Sprache. Wir leben seit fast 80 Jahren in Frieden, Freiheit, Wohlstand, pflegen gemeinsame Werte,“ segelt er unbekümmert weiter in diesem seichten Gewässer.

So acuh bei der die Antwort auf die Frage nach dem Wahlergebnis der Europawahl in Rheinland-Pfalz: „Sie lag bei 64,8 Prozent, das waren knapp acht Prozent mehr als 2014.“ Auch vor dem Thema Klimaschutz macht Barth mit seinen Worthülsen nicht halt: „Es muss uns gelingen, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen„, einmal ganz abgesehen von seiner hirnrissigen Idee, dass über „die WTO nur Produkte in Verkehr gebracht werden dürfen, die bei ihrer Herstellung hohen Umweltstandards genügen.“ Man fragt sich, ob das Mitglied im „Ausschuss für Europa und ‚eine Welt'“ überhaupt noch merkt, welchen Stuss er da so von sich gibt.

Vom Flecken Stadecken Elsheim segelt er in dem Interview dann auf eine höhere Ebene und wird nach der Vorbildfunktion von Rheinland-Pfalz für die „Einigung Europas“ gefragt. Auch darauf hat der neue Sprecher die passenden geschichtlichen und geographischen Antworten: „Ja, denn das Land ist nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Retorte entstanden, mitten in Europa, an Frankreich, Belgien, Luxemburg angrenzend.“  Warum er daraus folgert, dass Rheinland-Pfalz deswegen „eine starke, integrative Kraft entwickelt“ hat und „deshalb ein Vorbild für ein gutes Zusammenleben sein“ soll, bleibt allein sein Geheimnis. Was uns jedoch beinahe die Tränen in die Augen getrieben hätte, ist die folgende Plattheit: „Allerdings ist die Einheit nicht vom Himmel gefallen. Man muss schon etwas dafür tun.“ Das tut echt weh.

Man weiß eigentlich gar nicht mehr, wie man diese ganzen Worthülsen und Allgemeinplätze kommentieren soll. Und warum soll nur unsere Gemeinde damit gestraft sein? Wir fordern deshalb die AZ Mainz auf, das Interview mit Barth nicht nur im Lokalteil, sondern auch auf ihrer Titelseite zu veröffentlichen. Damit sich eine noch viel breitere Bevölkerungsschicht von dem seichten und unerträglichen Geschwafel dieses Schwadroneurs und Phrasendreschers überzeugen kann.

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