Wir wissen nicht, ob das Gemeinderatsmitglied Stabel altersmäßig bereits die Voraussetzungen zur Teilnahme an der VG-Seniorensitzung in der Stadecken-Elsheimer Selztalhalle erfüllt hat. Fakt ist, sie war dabei. Die hochkarätige Fastnachtsveranstaltung, in der jährlich die begeisternden Vorträge von VG-Bürgermeister Spiegler und Ortsbürgermeister Barth die betagten Menschen in die närrische Ektase treiben und ein Tusch den anderen jagt, wird von den Seniorinnen und Senioren in den höchsten Tönen gelobt und es ist in den gefühlten 100 Jahren ihres Bestehens noch nicht das leiseste Wort einer Kritik lautgeworden. Das war allerdings in diesem Jahr anders.

Wie jetzt aus dem Protokoll der Gemeinderatssitzung am 05.02.18 zu ersehen ist, hat Frau Stabel eine politische Bombe platzen lassen und den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung darüber informiert, „dass es in der Selztalhalle während der Seniorensitzung zu heiß war“ und, davon gehen wir logischerweise aus, sie mächtig geschwitzt hat. Wie der Gemeinderat und die Verwaltung auf diese wichtige Information und das körperliche Missbehagen des Ratsmitglieds Stabel reagiert haben, ob über einen Beschluss des Rates oder die Installierung einer Arbeitsgruppe zur weiteren Prüfung nachgedacht wurde, geht aus dem Protokoll nicht hervor. Fest steht aber, dass Frau Stabel geschwitzt hat – körperlich.

Nur gibt es, bis hin zu Mord und Totschlag, in den besten Familien immer wieder heftigste Auseinandersetzungen darüber, ob es im Wohnzimmer zu kalt, zu warm, oder gerade mal so „richtig angenehm“ ist. Offensichtlich gehen da die Meinungen stark auseinander, was darauf schließen lässt, dass das Wärme- und Kälteempfinden individuell und unterschiedlich ausgeprägt ist – der eine friert schon, wo der andere noch schwitzt. Wir gehen davon aus, dass Frau Stabel zu den anderen gehört und eher als andere transpiriert.

Noch wichtiger sind jedoch Alkoholmenge und eine der Umgebung und Situation angemessene Bekleidung. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass während der VG-Seniorensitzung trotz vermehrter Einnahme von blutdrucksenkenden Mitteln oder einer ölhaltigen, absorbieren Nahrungsgrundlage der Alkoholspiegel bei unseren lieben Alten stetig steigt und die Köpertemperatur in die Höhe schnellen lässt. Manche empfinden dann sogar die Neonbeleuchtung in der Selztalhalle als „brennende Sonne“, die einem nicht nur die Schweißerlen auf den Kopf, sondern auch auf andere Körperstellen treibt.

Über den Alkoholspiegel von Frau Stabel ist nichts bekannt – auch nicht über ihre Kostümierung. Angenommen, sie wäre mit einem Bärenfell oder einem Vollkörper-Latexkostüm verkleidet gewesen wäre, dann würde uns ihr Schweißausbruch nicht verwundern. Besser wäre es dann gewesen, wenn sie etwas Leichtgeschürztes oder Bauchfreies getragen hätte, um dem geschundenen Körper mehr Transpirationsfläche zu bieten. Aber alles das wissen wir nicht, und so bleibt am Ende nur festzuhalten, dass Frau Stabel eine Gemeinderatssitzung dazu genutzt hat, offensichtlich mal ihr Herz auszuschütten und der Ortsbürgermeister ihr dazu ordnungswidrig die große Bühne geboten hat

Übrigens, unter der Rubrik „Verschiedenes“, die der verständnisvolle Ortsbürgermeister offensichtlich immer deshalb auf die Tagesordnung setzt, damit die Gemeinderatsmitglieder auch mal öffentlich über ihre persönlichen Dinge und Probleme reden können, hat Frau Stabel noch Folgendes angeordnet: „Das Dach und die Regenrinne von den Friedhofshallen sowie vom Feuerwehrhaus in Elsheim muss gesäubert werden.“ Es ist gut zu wissen, dass in Stadecken-Elsheim mal ein Ratsmitglied jemandem aufs Dach steigt und nach dem Rechten sieht. Warum es sich allerdings dazu im Gemeinderat wichtigmacht und sich nicht, wie jeder andere auch, einfach an die Gemeindeverwaltung wendet, ist uns schleierhaft. Vielleicht sollte sie sich demnächst neben den Dachrinnen auch mal darum kümmern, ob sich noch alle Latten am Zaun befinden.

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