Die Mautgebühren auf den deutschen Autobahnen betragen je nach Kategorie, Schadstoffklasse und Achszahl zwischen 0,081 € und 0,218 € pro Kilometer. Die Strecke aus Richtung Koblenz kommend über die A61 ab Bingen-Ost und anschließend über die A63 bis Nieder-Olm beträgt 31,7 Km und kostet zwischen 2,51 € und 6,91 € Mautgebühr. Um die Mautgebühr zu vermeiden, kann man in Bingen-Ost auch die Autobahn verlassen, auf die L419 fahren, in Ingelheim auf die L428 abbiegen und über Großwinternheim, Schwabenheim und Stadecken-Elsheim in Nieder-Olm auf die A63 auffahren. Die Distanz über die Landesstraßen beträgt 31,4 Km und ist nur 400 m kürzer als über die Autobahnen. Gleiches gilt natürlich auch für die entgegensetzte Richtung.

Die Gesamtstrecke über die Autobahnen beträgt 31,7 Km, ist bedeutend schneller und bequemer, da die umständlichen und engen Ortsdurchfahrten vermieden werden. Beide Strecken sind annähernd gleich lang, so dass, entgegen der Behauptung der Initiatoren, ein Anreiz für eine „Abkürzung“ kaum gegeben sein dürfte – im Gegenteil.

Wie viele der LKWs eine Abkürzung nehmen oder die Mautgebühr einsparen wollen, wissen wir nicht. Jeder LKW, der über die Dörfer fährt und dort die Umwelt verschmutzt, ist einer zu viel und widerspricht der Grundidee der Maut. Ob es jedoch so viele sind, dass die aufgeregten Ortsbürgermeister von Groß-Winterheim, Schwabenheim, Bubenheim, Engelstadt und Stadecken-Elsheim laut AZ Mainz gleich wieder eine Resolution vorbereitet haben, die von den jeweiligen Gemeinderäten beschlossen und dann der Kreisverwaltung und der Landesregierung geschickt werden sollen, ist zu bezweifeln.

Dass die Herren Ortsbürgermeister selbst von Ihren Annahmen nicht so recht überzeugt sind, zeigt auch die Tatsache, dass für die bevorstehende Resolution plötzlich auf noch der Fluglärm herangezogen wird – ein Thema, dass sicherlich eine Nummer zu groß für die Hobby-Politiker in den Ortsgemeinden sein dürfte. Beklagt wird sich auch über den „zunehmenden Pendlerverkehr“ nach Mainz, Ingelheim und in das Rhein-Mainz-Gebiet. Wer dieses Problem nur annähernd anschneidet, der sollte sich gleich an seine eigene Nase fassen. Es sind nämlich exakt diese ehrenamtlich tätigen Ortsbürgermeister, die zur Aufbesserung der Gemeindekasse ein Neubaugebiet nach dem anderen ausweisen und die Steigerung des Pendlerverkehrs zu verantworten haben.

Merkwürdig ist ebenfalls, dass auch die beiden Ortsbürgermeister von Engelstadt und Bubenheim an der ‚Resolution gegen den Verkehrsbelastung mitwerkeln, liegt doch die so „arg belastete“ L428 weit vom Schuss und führt großräumig an beiden Ortsgemeinden vorbei. Und es sind gerade diese beiden Ortsgemeinden, die sich permanent gegen eine ortsentlastende Trasse durch das Selztal ausgesprochen haben. Offensichtlich geht es diesen beiden Herren bei der Resolution nur um die Solidarität mit den anderen Kollegen und der Vermeidung einer Umgehungsstraße nahe ihrer Ortsgemeinde.

Und so scheinen sich mit der Resolution populistische Forderungen anzubahnen, die sich in Allgemeinplätzen und Worthülsen erschöpfen. Da wir dann versucht, ohne etwas Substanzielles vorzubringen oder Konstruktives beizutragen, nichtssagend und belanglos die „Ausarbeitung eines Verkehrskonzeptes für die Zukunft in dieser Region“, ein „verkehrspolitischen Plan, der die Verkehrsströme im Selztal lenkt und den Schwerlastverkehr zwischen Bingen, Ingelheim und Mainz kanalisiert und nicht die kleinen Ortschaften belastet“ und „von Seiten der Politik des Landes und des Kreises Mainz-Bingen eine überörtliche Entlastung unserer Gemeinden“ gefordert.

Der Gipfel der Unverfrorenheit besteht dann darin, dass man oberlehrerhaft und schulmeisternd darauf hinweist, dass „Veraltete Konzepte (…) keine Grundlage mehr bei heutigen Verkehrsleitplanungen sein“ dürften und dass „Aktuelle, aber auch zu erwartende Verkehrsströme (…) in die Planungen mit einbezogen werden“ müssten. Und als Eingeständnis der Inkompetenz wird gefordert, dass „Vorschläge, wie die Situation verbessert werden kann, (…) vom Land erarbeitet werden“ müssen.

Mit dabei und sicherlich an vorderster Front der Flachheiten, Ortsbürgermeister Barth (CDU). Wir erinnern uns noch an die Lachnummer seiner „Resolution“, mit der unsere überrumpelter Gemeinderat seinerzeit die „Obrigkeit“ auf die zunehmende Anzahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland aufmerksam machen wollte. Eine Farce, und sicherlich ist sich Barth für eine weitere Farce nicht zu schade. Und mit Sicherheit folgt bald auch eine kleine, nichtsfragenden Anfrage an die Landesregierung zum Thema „Entlastung beim Durchgangsverkehr im Selztal.“

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