„Der Landkreis koordiniert, organisiert und führt gemeinsame Jugendaustausche, Fachtagungen, Besuche sowie Studien- und Ausbildungsaufenthalte durch. An öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen der bestehenden Partnerschaften können die Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit nutzen, sich aktiv am Partnerschaftsgeschehen zu beteiligen und kreativ mitzuwirken“, so informiert die Kreisverwaltung Mainz-Bingen auf ihrer Webseite über ihre Aktivitäten in Rahmen der kommunalen Partnerschaften. Jetzt haben sich auch die Landrätin Schäfer und die Partnerschaftsbeauftragte Kerl selbst mal an diesem „Partnerschaftsgeschehen“ beteiligt (wir berichteten) und sind mit Steuergeldern zu einem Wochenend-Trip nach Neisse in die polnische Woiwodschaft Opole geflogen. 

Die vom damaligen und weinseligen Landrat Schick 2001 vereinbarte Partnerschaft mit dem polnischen Partner ist nicht zufällig, sondern beruht auf der Namensgleichheit beider Regionen: poln. Woiwodschaft = rheinh. Weinwirtschaft.
Gleich zwei Mal hat die AZ Mainz über den Wochenend-Trip vom 7. bis 8. Juli berichtet und offensichtlich aus der Pressemitteilung der Kreisverwaltung geschlossen, dass es sich bei der Reise um einen „Antrittsbesuch“ der Landrätin bei ihrem polnischen Amtskollegen handelte.

Offen gestanden erscheint es uns doch recht merkwürdig, dass schon Landräte/innen auf Kosten des Steuerzahlers „Antrittsbesuche“ ins europäische Ausland unternehmen und von dort „voll gepackt mit einem Bündel voller Eindrücke und Ideen“ zurückkehren. Noch merkwürdiger ist es allerdings, wenn die Pressemitteilung der Kreisverwaltung über den Besuch – wir gehen nicht davon aus, dass Pressevertreter der AZ Mainz die Landrätin auf ihrem Auslandsbesuch begleitet haben -, vorwiegend das Verweilen auf einem Volksfest, den Besuch eines Museums und eines Stausees, ein Gespräch mit Vereinen und Landfrauen sowie der Suche nach dem verschollenen Vater der Landrätin hervorhebt. Von einer Dienstreise oder Amtshandlung gibt es kaum eine Spur im Reisebericht. Auch dass sich im Reisegepäck ein paar Flaschen Wein der heimischen Winzer befanden und als „wirtschaftsfördernde Maßnahme“ etikettiert wurden, mag nicht gerade überzeugen. Offensichtlich wollte man unter dem Mäntelchen der „Wirtschaftsförderung“ noch die Kurve kriegen und dem Wochenendausflug der Landrätin und ihrer Mitarbeiterin einen offiziellen Charakter verleihen.

Übrigens: Der Landkreis Mainz Bingen pflegt noch weitere Partnerschaften mit der „Provinz Verona (Italien, Region Venetien)“ und dem „Distrikt Rusumo (Ruanda, Sektorenverbund Kirehe).“ Auch dort geht es um „intensive und lebendige Partnerschaften, um den Kontakt zu Menschen anderer Länder zu intensivieren und somit einen Beitrag zum Frieden und Zusammenwachsen der Länder und Kontinente zu leisten.“ Wir sind uns sicher, dass die Reisen für die beiden „Antrittsbesuche“ der Landrätin bereits geplant und die Reisekosten unter dem Haushaltstitel „Pflege der Partnerschaften“ budgetiert sind. Schauen Sie demnächst einfach Mal in die Rubrik „Urlaub und Reise“ der AZ Mainz.

 

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