Sozialer Wohnungsbau und bezahlbarer Wohnraum gehören zu den Themen, die momentan durch die politische Landschaft geistern und von allen Parteien auf die Fahnen geschrieben werden. Trotz des Debakels in Oppenheim mit der gemeindeeigenen Baugesellschaft HGO denkt sogar die Kreisverwaltung Mainz-Bingen darüber nach, eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft zu gründen, obwohl für den sozialen Wohnungsbau eigentlich nur die Städte und Gemeinden zuständig sind. Von Ortsbürgermeister Barth, der sonst zu jedem weltbewegenden Thema seinen Senf dazu gibt, und vom Gemeinderat, der sich jetzt an einer „Resolution“ zum Straßenverkehr im Selztal beteiligt und die Landesregierung „wachgerüttelt“ hat, ist zum Thema kein einziges Wort zu hören.

Dabei gäbe es für die beiden Gemeindeorgane eine gute Gelegenheit, auch einmal sozial tätig zu werden. Wie man jetzt lesen konnte, hat der Gemeinderat „einstimmig zugestimmt“, die Frist für den Ankauf des gemeindeeigenen Grundstücks an der Ecke Kreuznacher-/Talstraße durch eine Bauherrengemeinschaft mit dem Architekten Schlimmer (CDU) an der Spitze wieder einmal zu verlängern. Es ist das gefühlt 10. Mal, und wenn man sich einmal die leblos vor sich hinsiechende Webseite des Projekts „Gemeinschaftliches Bauern und Wohnen“ anschaut, hat man das Gefühl, dass in 5 Jahren feierlich das 25-jährige Frist-Verlängerungs-Jubiläum gefeiert werden kann.

Das hochtrabend angepriesene „Selztal Ensemble“ ist gescheitert. Jetzt wird das tote Pferd noch zu Tode geritten. Es gibt keine ausreichende Anzahl von Bauherren und Interessenten, die die komplizierte, „neue Wohnform in Stadecken-Elsheim“ umsetzen möchten. Die Nachfrage fehlt. Schon wird ins Gespräch gebracht, dass zwei Drittel des Areals für das betreute Wohnen des in.betriebs aus Mainz-Hechtsheim genutzt werden soll. Aber selbst wenn Menschen mit Behinderung in dem Areal Kreuznacher-/Talstraße eine Bleibe fänden, so hat dies nichts mit sozialem Wohnungsbau zu tun. Wenn es stimmen sollte, was wir im Übrigen stark bezweifeln, dass seit 2013 über 233 Bewerber auf einer Nachfrageliste für ein Baugrundstück in Stadecken-Elsheim stehen, dann ist dies eine zahlungskräftige Klientel, die sich den Kauf eines teuren Grundstücks leisten kann. Mit Sicherheit können sich die sozial Schwächeren den Kauf eines Grundstücks nicht leisten. Diese Menschen werden von Barth (CDU) und dem Gemeinderat im Regen stehen gelassen, wenn in Stadecken-Elsheim gemeindeeigene Grundstücke nur Luxuswohnungen verkauft werden und kein bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird.

Die Gemeindeverwaltung erscheint wie ein Kartell von Starrköpfen, das wider besseres Wissen an einer gescheiterten und wirren Idee festhält. Insbesondere ist es Ortsbürgermeister Barth (CDU), der mit seiner Ignoranz und Verbohrtheit viele Dingen an die Wand fährt. Es wäre ein Leichtes, für das gemeindeeigene Grundstück an der Ecke Kreuznacher-/Talstraße einen Bauträger zu finden, der Sozialwohnungen baut und bezahlbaren Wohnraum schafft. Wenn man das nicht will und die Gemeindeverwaltung das Grundstücke lieber an zahlungskräftige Bauherren und profitorientierte Baugesellschaften verkaufen möchte, dann sollte man diesen Damen und Herren ihr soziales Geschwafel nicht mehr abnehmen und ihre wahre Absichten erkennen.

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