Bei einer Podiumsdiskussion in Schwabenheim zum Thema „Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“ hat Ortsbürgermeister Barth (CDU) wieder einmal viel Unsinn geredet und für Verwunderung gesorgt. „Wir haben einen enormen Druck auch bei uns (…) Ich könnte in jeder Sprechstunde einen Bauplatz verkaufen.“, gab er zum Besten und machte damit offenkundig, dass er das Problem des aktuellen Wohnungsmangels überhaupt nicht verstanden hat. Barth spricht von einem „enormen Druck“, und meint damit die allgemeine Nachfrage nach Bauplätzen, was eindeutig mit dem Thema nichts zu tun hat und daran vorbeigeht.

Es geht nämlich nicht um die allgemeine Nachfrage nach privaten oder öffentlichen Bauplätzen von gut betuchten Bauinteressenten oder Investoren, die auf den Grundstücken  uxushäuser/-wohnungen oder Renditeobjekte errichten wollen, sondern darum, ob und wie Städte und Gemeinden bezahlbare Wohnungen schaffen sollen, die sich sozial Schwächere und Menschen mit kleinem Geldbeutel noch leisten können. Mit Sicherheit sind es nicht diese Menschen, die bei „Immobilienmakler“ Barth nach Grundstücken anstehen und ihm die Rathaustüre einrennen. Diese Menschen können sich nämlich weder teure Bauplätze noch deren Bebauung leisten und sind auf Wohnungen zu erschwinglichen Mieten angewiesen. Nur darum geht es. Offensichtlich hat Barth das nicht verstanden.

Wenn sie schon nicht selbst draufkommen, möchten wir Barth und dem Gemeinderat einmal an einem einfachen Beispiel aufzeigen, wie diesen Menschen geholfen werden kann. Seit mehr als einem Jahr ist die Gemeindeverwaltung im Besitz des ca. 2.000 m² großen Grundstücks Ecke Talstraße/Kreuznacher Straße, das Sie für ca. 600.000 € gekauft ha. Anstatt einen Investor zu finden, der bereit ist, unter Auflagen und Anreizen Wohnungen mit bezahlbaren Mieten zu erstellen, soll das Grundstück an eine Bauherrengemeinschaft verkauft werden, die dort unter der hochtragenden Projektbezeichnung „Selztal Ensemble“ 20 luxuriöse Eigentumswohnungen einschließlich Grillplatz, Atrium mit Wasserspielen, Dachterrassen und einem „Besucher-Pavillon“ erstellen wollen. Ob damit die städtebauliche Begründung, die von der Gemeindeverwaltung vormals für den Kauf des Grundstücks angeführt wurde, noch Bestand hat, ist heute mehr als zweifelhaft. Und warum ausgerechnet an diese Bauherrengemeinschaft verkauft werden soll, ist auch recht fraglich.

Federführend bei dem Luxus-Vorhaben, das seltsamerweise auch unter dem irreführenden Begriff „Generationenwohnprojekt“ vermarktet wird, ist das Architektenbüro Schlimmer, dessen Inhaber im örtlichen CDU-Vorstand mitarbeitet und ein enger Parteifreund von Ortsbürgermeister Barth (CDU) ist. Schlimmer ist Unternehmer, und er wird dieses Projekt sicherlich nicht für einen Appel und ein Ei und nur mit der Aussicht einen ordentlichen Profit realisieren wollen. Ob und inwieweit sich da die Interessen und Absichten der Beteiligten decken, mögen wir nicht beurteilen.

Es ist nun so, dass Schlimmer bis heute keine ausreichende Anzahl von Mitgliedern für die Bauherrengemeinschaft gefunden hat. Entweder ist der beabsichtigte m²-Kaufpreis zu hoch, oder das gesamte Konzept ist in sich nicht schlüssig und nur schwer realisierbar. Darüber hat der Gemeinderat von Stadecken-Elsheim offensichtlich noch nicht nachgedacht. Denn schon zum zweiten Mal hat er die Frist für den Ankauf des Grundstücks durch die Bauherrengemeinschaft verlängert. Am 16.12.18 soll jetzt die Frist ablaufen, aber es wäre nicht verwunderlich, wenn man die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt hätte und sich weiterhin von einem profitorientierten Geschäftsmann hinhalten ließe.

Man reibt sich verwundert die Augen und fragt, warum der Gemeinderat der Schimäre „Selztal-Ensemble“ hinterherläuft und das Trauerspiel weiter mitmacht. Es ist an der Zeit, das peinliche Getue und Geschacher zu beenden und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dafür kämen auch die geplanten Neubaugebiete „Friedhofstraße“ und „Auf der Schwalbenruh“ infrage. Den hohlen Phrasen und abgedroschenen Plattheiten zweier Schaumschläger, dass „Das Soziale (…) nicht auf der Strecke bleiben“ darf (Landrätin Schäfer, CDU) und, „dass Wohnen keine Luxusware sein dürfe“ (Ortsbürgermeister Barth, CDU), könnte man dann auch mal Taten folgen lassen.

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