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Nachdem zum Beginn des Monats mit insgesamt 16 Taschenlampen schon eine spektakuläre Lichterbrücke zwischen der Stadecker Warte und dem Windhäuser Hof geschlagen wurde, hat am 04. Februar eine „Jubiläumsgemeinderatssitzung“ stattgefunden, bei der Ortsbürgermeister Barth und seine Beigeordneten auf ein „Geburtstagskind“ angestoßen und würdevoll eine riesige Geburtstagstorte angeschnitten haben. Geplant sind weitere Veranstaltungen, die dem Ereignis angemessen sein sollen und deren Höhepunkt eine 2tägige Festmeile auf dem idyllischen Parkplatz vor der Selztalhalle sein soll.

Monatelang hat sich die Gemeindeverwaltung den Kopf darüber zerbrochen und gefragt, was man alles zur „Geburtstagsfeier“ veranstalten kann und die Vereine aufgerufen, mit spektakulären Ideen zur Feier beizutragen. Aber haben sich die Damen und Herren der Verwaltung jemals gefragt, was und warum überhaupt gefeiert wird? Was ist eigentlich Weltbewegendes passiert, damit der Ortsbürgermeister und die Beigeordneten so aus dem Häuschen geraten und in Feierlaune versetzt werden können?

Die Antwort gibt „Feierbiest“ Barth selbst, wenn er in seiner Geburtstagsrede im Gemeinderat die Aussagen eines damaligen, völlig unbedeutsamen Ausschussmitglieds zitiert, der etwas von einer neuen, „kommunalpolitischen Landschaft“ geschwafelt hat: „Der vorliegende Entwurf, meine verehrten Damen und Herren, der im Zusammenhang mit den bisherigen Reformgesetzen, insbesondere mit der Verbandsgemeindeordnung und dem Vierten Vereinfachungsgesetz, zu sehen ist, stellt nach der Überzeugung des Ausschusses für Verwaltungsreform einen weiteren wesentlichen Markstein auf dem Wege zu einer wirklichen Reform unserer Verwaltung insgesamt und einer Modernisierung und Kräftigung unserer Selbstverwaltung dar. “ 

Angesichts einer Lichterkette und den sonstigen Feierlichkeiten ist man erst einmal ernüchtert. Der Herr hat nicht etwa über die Wiedervereinigung Deutschlands oder ein anderes, welthistorisches Ereignis geredet. Nein, es handelt sich bei dem „Geburtstagskind“ nur um einen profanen Verwaltungsakt, bei dem aus Effizienzgründen zwei selbstständige Gemeinden zu einer gemeinsamen Verwaltungseinheit zusammengelegt wurden. Mehr war eigentlich nicht. Den Menschen in den beiden Ortschaften hat das erst einmal wenig, wenn überhaupt, etwas gebracht. Es war weder ein historisches, kulturelles oder gar politisches Ereignis, an das man sich erinnern müsste. In einem schnöden Verwaltungsakt, der auch noch gegen den ausdrücklichen Willen der betroffenen Menschen vorgenommen wurde, wurde „mutwillig“ die natürliche Grenze, die die Natur durch den trennenden Verlauf der Selz nicht ohne Grund gesetzt hat, eingerissen. Um es noch einmal mit Ironie und einem berühmten Politiker zu sagen: „Es gehörte nie zusammen, was nicht zusammengehört.“

Wenn in dieser Ortsgemeinde schon jede, noch so kleinste Nichtigkeit für ein Jubiläum und für Feierlichkeiten herhalten muss, dann empfehlen wir den „25. Jahrestag der Ampelanlage am Busbahnhof.“ Dieser Verwaltungsakt hat den Menschen in der Gemeinde mehr gebracht, als das „Vierte Vereinfachungsgesetz“ mit der Zusammenlegung der beiden Ortsteile vor fünfzig Jahren. Im Rahmen der Feierlichkeiten schlagen wir vor, die Ampelanlage mal für 3 aufeinanderfolgende Tage auf Rot zu schalten und auf der Kreuzung die „Geburtstagstorte“ anzuschneiden.

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