Wenn der Umfang einer Nachricht etwas über ihre Bedeutung aussagen würde, dann wäre die Mitteilung der Gemeindeverwaltung über Platz 1 beim „ADFC-Bundestest“ das bisher wichtigste Ereignis in der noch relativ jungen Geschichte der „Doppelgemeinde.“ Wir haben erst gedacht, dass sich hinter den 4 Buchstaben „ADFC“ die Initiative „Alle Deutschen Für Cannabis“ steht und Stadecken-Elsheim beim Konsum dieser wirksamen Heilpflanze den ersten Platz belegt hätte, bis wir dann beim mühseligen Weiterlesen bemerken mussten, dass es sich bei den Initialen“ ADFC“ um den Verein Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club e.V. handelt, der öfter mal das „Radklima, eine Art „Kundenbarometer für den Radverkehr in den Städten und Gemeinden“, misst. 

In dem Artikel mit der irreführenden Überschrift „Stadecken-Elsheim auf Platz 1 seiner Klasse beim ADFC-Bundestest!“, wird von Ortsbürgermeister Barth (CDU) der Eindruck erweckt, als ob dem Ergebnis eine besondere „radfahrerische“ Leistung der Ortsgemeinde vorausgegangen wäre und Stadecken-Elsheim dafür bundesweit den ersten Platz belegt hätte. Das stimmt aber so nicht. Es ging beim „Klimamessen“ nur um eine Umfrage, bei der mal gerade kümmerliche 89 Radfahrer aus der Gemeinde, quasi vom Sofa aus, ihre subjektive Meinung über die Radfahrbedingungen in Stadecken-Elsheim und Umgebung geäußert haben. Daraus als Sieger hervorzugehen, ist weniger als der Gewinn einer goldenen Ananas.

Das Ergebnis war mit der Benotung 3,48 eine schwache Vier plus, mit der sich Stadecken-Elsheim vor nur 4 weitere Teilnehmer in der Kategorie „Orte unter 20.000 Einwohner“ an die Spitze des Rankings in Rheinland-Pfalz setzen konnte. In ganz Rheinland-Pfalz nahmen von insgesamt 2.304 Städten und Gemeinde nur kümmerliche 18 Ortschaften an der Befragung teil. Wie gesagt, es handelt sich nur um eine banale Umfrage, an der sich jeder beteiligen konnte, der gerne mal in die Pedale tritt. Wer dann aber, wie Barth, vorgibt, wegen der Teilnahme an dieser fragwürdigen und noch nicht einmal repräsentativen Erhebung, „stolz auf seine Stadecken-Elsheimer Radfahrer/innen“ , nur weil sie an der fragwürdigen und nicht-repräsentativen Erhebung teilgenommen haben,  der kann doch nicht mehr alle Sinne beisammen haben – stolz zu sein auf „seine“ Stadecken-Elsheimer Radfahrer/innen, für die Teilnahme an einer Umfrage – was für ein absurdes Gesülze.

Im weiteren Verlauf des wirren Artikels ergeht sich Barth in seiner Rolle als oppositionelle Hinterbänkler dann noch in der obligatorischen Polemik gegen die Landesregierung und posaunt vollmundig hinaus, dass er für einen noch immer nicht erstellten Radweg von Mainz nach Elsheim „kämpfen“ werde. Da ist es wieder, unser Großmaul. Nichts kommt ihm zu ungelegen, um damit nicht phrasenhaft den politischen Macher raushängen zu lassen. Und nachdem er zwischendurch völlig den Faden verloren hat, wechselt Barth überraschend zum Thema Radradeln, um „zufrieden“ festzustellen, dass „Mit dieser Aktion zur Förderung des Radverkehrs, mehr Lebensqualität und Klimaschutz schließlich Stadecken-Elsheim 2018 rheinland-pfalzweit Platz 1 in der Kategorie „meiste Kilometer pro Einwohner erreicht (…) und damit sogar die Fahrradstadt Ingelheim überholt!“ hat. Was diese verworrene Aussage mit der Umfrage zu tun hat, weiß kein Mensch.

Barth redet plötzlich über das jährlich stattfindende Stadtradeln, ein kurioses Event, bei dem ein paar, für einen kurzen Zeitraum aufs Fahrrad umgestiegene Autofahrer/innen dem ADFC eine Anzahl angeblich geradelter Kilometer melden, der ADFC diese Angaben ungeprüft übernimmt, anschließend die vermeintlich zurückgelegten Kilometer durch die Einwohnerzahl des Wohnortes der Radler dividiert, um dann die Teilnehmer mit dem höchsten Koeffizienten zum Sieger zu erklären. Und wenn Stadecken-Elsheim bei einem solchen Schwachsinn sich versehentlich auf einem der vorderen Plätzen wiederfindet, gerät Barth völlig aus dem Häuschen und nutzt hemmungslos die Gelegenheit, dieses banale Ereignis als persönlichen Erfolg in seine politische „Leistungsbilanz“ aufzunehmen –  wie es sich für einen richtigen Egomanen und das fleischgewordene Klischee eines wichtigtuerischen Provinzpolitikers gehört.

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