Nachdem sich der Rauch verzogen hat und allmählich wieder Normalität in die Ortsgemeinde eingezogen ist, müssen wir noch einmal auf die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Zusammenlegung der beiden Ortschaften Stadecken und Elsheim eingehen. Anlass ist ein Bericht der AZ Mainz, in dem über das Ereignis berichtet wurde und der mit der folgenden, bemerkenswerten Feststellung beginnt: „Vor 50 Jahren hatten sich Stadecken und Elsheim zusammengeschlossen.“ Diese Formulierung erweckt beim unbekümmerten Betrachter den Eindruck, als ob sich die Bürgerinnen & Bürger vor 50 Jahren einen lang gehegten Wunsch erfüllt und aus freien Stücken die Zusammenlegung der beiden Ortschaften beschlossen hätten.

Dem ist aber bei Weitem nicht so: Wie wir schon in unserem Artikel „Jubiläum mit Festmeile zum 25. Jahrestag der Ampelanlage am Busbahnhof“ berichteten, war der damalige Zusammenschluss Teil einer schlichten Gebiets- und Verwaltungsreform, bei der es ausschließlich um die Modernisierung und Vereinfachung der Verwaltung ging. Mehr war eigentlich nicht. Für diesen banalen Verwaltungsakt gab es weder kulturelle, historische oder andere Gründe. Und wenn man heute nach den Vorteilen für die Menschen durch die Zusammenführung fragt, schaut man nur in entgeisterte Gesichter und erntet ungläubiges Kopfschütteln. Über die Köpfe der Menschen hinweg und gegen den Widerstand in beiden Ortschaften wurde damals von der Landesregieru8ng über die Zusammenlegung der beiden Orte entschieden. Noch heute wenden sich viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Grausen ab, wenn man auf die sogenannte „Vereinigung“ zu sprechen kommt, die vor 50 Jahren kaum ein Mensch verstanden, geschweige denn gewollt hat.

Nun ist aber gegen eine Gebiets- und Verwaltungsreform grundsätzlich nichts einzuwenden. Auch eine Verwaltung muss sich an veränderte Bedingungen anpassen. Wenn man aber einen solchen Akt als einmaliges, historisches Ereignis verkaufen und nach 50 Jahren mit einem riesigen Spektakel feiern möchte, dann kommt damit schon ein überaus schräges und verzerrtes Geschichtsverständnis zum Vorschein. Ja, es wurde beinahe der Eindruck erweckt, als ob die Ortsteile Elsheim und Stadecken über die Jahrhunderte willkürlich voneinander getrennt waren, durch die Gebiets- und Verwaltungsreform ein lang ersehnter Wünsch der Bevölkerung in Erfüllung ging und wieder zusammenwachsen konnte, was auch zusammengehört.

Monatelang haben sich der überdrehte Ortsbürgermeister Barth und seine eifrigen Mitstreiter darum bemüht, die damalige Gebiets- und Verwaltungsreform zu einem großen, geschichtlichen Ereignis aufzublasen, dass nur mit einem großen Spektakel angemessen gewürdigt werden könnte. Permanent wurde die Werbetrommel gerührt und den Menschen in der Ortsgemeinde, den Vereinen und übrigen Organisationen die Teilnahme an dem angedachten Brimborium schmackhaft gemacht und sie zum Mitmachen animiert. Man kann beinahe von einem propagandistischen Overkill sprechen, mit dem Ortsbürgermeister Barth die gesamte Ortsgemeinde zur Mitarbeit und Teilnahme animieren wollte. Und das bei einem Ereignis, für das es sich noch nicht einmal lohnt, einen einzigen Böller in die Luft zu jagen. Da würde es, wie wir bereits vorgeschlagen haben, eher Sinn machen, das Bestehen der Ampelanlage am Busbahnhof jährlich mit einem Großfeuerwerk und einer dreitägigen Festmeile zu feiern.

Offensichtlich hat diese Art Gehirnwäsche aber ganz gut funktioniert. Die Veranstaltungen waren gut besucht. Es haben sich immer noch zahlreiche, gutgläubige Menschen gefunden, die sich beim Festzug zu Statisten haben degradieren lassen und am Nasenring durch die Manege gezogen wurden. Beklatscht von weichgeklopften und mit Gefühlsduselei sensibilisierten Zuschauern ließen sich Barth und die Alt-Ortsbürgermeister wohlgefällig mit der Weinkönigin durch die Ortschaft kutschieren und bei der akademischen Feier von ihren eigenen Worthülsen selbst übermannen. Eine peinlichere Veranstaltung zum Anlass einer Nichtigkeit hat es bisher in Stadecken-Elsheim noch nie gegeben.

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