Wann immer die Forderung nach einer neuen Rheinbrücke bei Bingen aufgestellt wird, ist Ortsbürgermeister Barth als Vertreter der Ortsgemeinde Stadecken-Elsheim nicht weit. Häufig verbindet er seine Forderung noch mit dem großzügigen Ausbau des Mainzer Autobahnnetzes, was ihm auf der nach oben offenen Populismus-Skala meist einen der oberen Plätze sichert. Jetzt hat „Verkehrsexperte“ Barth eine Fußgängerbrücke über die Landesstraße 428 in Höhe des Knichel ins Spiel gebracht und dem Unterhaltungsprogramm der Gemeindeverwaltung ein belebendes und langandauerndes Element hinzugefügt.

Aber warum jetzt plötzlich eine Fußgängerbrücke, fragen sich viele erstaunte Bürgerinnen & Bürger, denn sie wissen noch nicht, dass REWE dort einen neuen Supermarkt bauen und die beiden jetzigen Märkte (Getränke und Lebensmittel) abreißen möchte.

Das Gebiet auf dem Knichel ist im Flächennutzungsplan eigentlich als Gemeinbedarfsfläche ausgewiesen und dafür gedacht, öffentliche Einrichtungen und Anlagen zu errichten, die vorwiegend der Allgemeinheit dienen. Dieses Vorhaben, das seinerzeit den Bürgerinnen & Bürgern von Ex-Ortsbürgermeister Müller mit großen Brimborium „verkauft“ wurde, wird offensichtlich nicht mehr weiterverfolgt und Barth sowie der Gemeinderat beabsichtigen, klammheimlich das für die Allgemeinheit vorgesehen Gebiet an REWE zu verschachern – nach dem Motto: Was schert uns unser Geschwätz von gestern.

Da muss dann eben noch auf Gemeindekosten eine Fußgängerbrücke her, damit die Konsumenten gefahrlos und unverletzt in die REWE-Verkaufsräume gelangt und dort für die erwartete Umsatzsteigerung sorgen. Ob Barth bei seinen Plänen auch daran gedacht hat, wie ältere Menschen, Menschen mit Behinderung oder Mütter mit Kinderwagen das Hindernis Fußgängerbrücke überwinden können oder ob nicht vielleicht eine Fußgängerampel reicht, wissen wir nicht. Da ist Ex-Ortsbürgermeisterkandidat Krützfeld, ein ganz enger Freund und Seelenverwandter von Ortsbürgermeister Barth (CDU), schon ein wenig sensibler. Er plädiert für eine Unterführung. Das ist zwar noch teurer als die Fußgängerbrücke, hat aber den Vorteil, dass man trockenen Fußes die L428 unterqueren kann. Nachteilig ist allerdings das nächtliche Sicherheitsrisiko, wenn gerade zur Winterszeit die Leute voll bepackt vom REWE kommen und von skrupellosen Lebensmittel-Räubern aufgelauert werden. Dagegen helfen Überwachungskameras und hoffentlich ein von Ortsbürgermeister Barth iniziierter, zusätzlich durchgeführter Sicherheitstag, bei dem er insbesondere die Gefahrenabwehr bei beidhändigem Tragen von Einkaufstüten üben lassen wird.

Wir sind schon ganz gespannt auf den Ausgang dieses Wettbewerbs der Ideen. Uns wäre es allerdings lieber gewesen, die beiden Herren hätten erst einmal überzeugend dargelegt, ob die Verlagerung des REWE-Marktes auf den Knichel überhaupt Sinn macht und welche Vorteile für die Menschen in der Ortsgemeinde damit verbunden sind. Danach kann man dann immer noch über einen Zebrastreifen mit Ampel reden.

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