Gleich 3 Flyer sind uns gestern in den Briefkasten geflattert und laden zu ausgewählten Veranstaltungen im Ortsteil Elsheim der Ortsgemeinde ein. In der ersten Einladung macht die Kerbejugend Stadecken-Elsheim die bisherige Stadecker Kerb plötzlich zur Stadecker Weinkerb. Warum? Keiner weiß es. Offensichtlich ist jetzt auch schon die (Wein)Kerbejugend vom Bauern- und Winzerverein unterwandert und lässt das christlich-traditionelle Kirchweihfest zu einem profanen Weinfest und Besäufnis verkommen. Nicht nur die beiden Kirchen sind jetzt gefordert.

Wir beantragen eine sofortige Sondersitzung des Gemeinderats oder eine Einwohnerfragestunde nach § 18 der Gemeindeordnung.. Eine solch bedeutsame Namensänderung darf nicht allein durch die heranwachsende Wein-Kerbejugend vorgenommen werden und erfordert zumindest einen Sonderausschuss des Gemeinderats. Kerb oder Weinkerb, das ist hier die Frage.

Besonders gefreut haben wir uns über das Weingut Eppelmann, das uns in seinem Flyer mit einem kumpelhaften „Du bist eingeladen“ dazu animiert, an einer Wein-After-Work-Party oder einem Wein-Hoffest teilzunehmen. Während zur Wein-After-Work-Party das in kulinarischen Kreisen wohlbekannte RAFAELE WEIN-CATERING für das leibliche Wohl sorgt und der weltberühmte „WEIN-DJ ANTONY“ auflegt, gibt’s beim Wein-Hoffest in der WEIN-LATELOUNGE neben dem RAFAELE WEIN-CATERING vom WEIN-CAFE PREGO, mit einer GROSSEN WEINPROBE und N‘WEIN-EIS noch weitere Köstlichkeiten. Und das Schönste ist: Das ist alles umsonst! Zumindest vermuten wir das. Denn „Der Eintritt ist frei.“ Und wenn man von einem kumpelhaften Duz-Freund eingeladen wird und die „Winzerfamilie Eppelmann“ („Wir freuen uns auf Dich“) unseren Besuch so stark herbeisehnt, dann gehen wir nicht davon aus, dass wir nicht das Geringste zahlen müssen. Wir haben uns deshalb schon mit einer stattlichen Anzahl guter Freundinnen und Freunden verabredet und werden uns an beiden Tage des Wein-Hoffests pünktlich um 14 Uhr zum Mittagessen in der WEIN-LATELOUNGE einfinden.

Etwas ganz Besonderes hat sich wieder die Kreativabteilung des Weinguts
einfallen lassen: Eppelmann heißt jetzt nicht mehr Eppelmann, sondern>>>>

Na, ist Ihnen etwas aufgefallen? Nein, es sind keine kyrillischen Schriftzeichen oder arische Runen. In der oberen Schriftreihe ist das zweite E spiegelverkehrt angebracht. Ist das nicht eine geniale Idee? Mit diesem Schachzug haben die Strategen des Weinguts wieder einmal ganz tief in die werbepsychologische Trickkiste gegriffen. Denn während der unbedarfte Betrachter sich noch über solch einen Schwachsinn lustig macht und auf die Schenkel klopft, setzt sich der Name Eppelmann dabei unbewusst in seinem Unterbewusstsein fest, und wenn er dann später einmal mit seinem Wagen von Nieder-Olm nach Ingelheim unterwegs ist, biegt er auf der Oppenheimer Straße ungewollt rechts in die Kirchgasse ein und überlädt sein Fahrzeug im Weingut Eppelmann unbewusst mit der „spritziglauten“ und „hügeligweißen Winzerkunst aus dem Selztal.“ So steigert man seinen Umsatz, wenn man sich etwas Besonderes einfallen lässt.

Nicht umsonst ist dagegen die Einladung der „Weinheiligen“ zu ihrem Oktoberfest im September. Nicht nur, dass man mit einem bierlastigen Oktoberfest in einer traditionell vom Wein gesegneten Landschaft beinahe einen Kulturschock erleidet, die „Weinheiligen“, in deren Vorstand auch Ortsbürgermeister Barth (CDU) residiert, verlangen gleich 15,00 € Eintritt, „INKL 5 € MINDESTVERZEHR.“ Wir kennen jetzt nicht die Preise auf der Getränkekarte für das „Rheinhessen Bräu“, aber nur für auf ein Oktoberfest zu gehen und für „Hansi und seine Oktoberfest-Band“ 10 € zu zahlen, ist uns einfach zu teuer. Da trinken wir lieber zuhause einen preiswerten Wein aus dem Ruhrgebiet.

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