Wie so viele Regionalzeitungen hat auch die AZ Mainz eine Lokalredaktion, die täglich über wichtige und unwichtige Ereignisse aus den Gemeinden und Städten ihres Einzugsgebiets berichtet. In der Mehrzahl der Fälle reichen unterschiedlichste Menschen oder Interessengruppen vorformulierte Manuskripte ein, um für ihre Anliegen und Ansinnen Werbung zu machen und eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Im Gegenzug übernehmen die Verlage gerne diese sogenannten Nachrichten und Neuigkeiten und bauschen sie sogar noch auf, um dann ihre sonst leer gebliebenen Lokalseiten zu füllen und die Leserschaft zu langweilen.

So oder so ähnlich muss es auch passiert sein, als jetzt die AZ Lokalredaktion meinte, in ihrem Lokalteil für „Stadecken-Elsheim“ einen Artikel mit dem Titel „Barth: Schulabrecher erfassen“ veröffentlichen zu müssen. Beim flüchtigen Hingucken haben wir erst gelesen: „Barth: Einbrecher fassen,“ und waren der Meinung, der ehrenamtlich tätige Ortsbürgermeister macht sich wieder einmal große Sorgen um die Sicherheitslage in unserer „liebens- und lebenswerten Gemeine“, bis wir dann erkennen konnten, dass der CDU-Hinterbänkler aus Stadecken-Elsheim einen „Vorstoß“ von der unter starker Kritik stehender Ministerin Karliczek (CDU) unterstützt, „ein „Bildungsregister“ zur Erfassung von Schulabbrechern einzurichten.“ – Eine Art Baumkataster für schulabbrechende junge Menschen.

Nun ist der „Vorstoß“ der Berliner Politikerin sicherlich eine gute Sache und sollte unterstützt werden. Mit den lokalen Ereignissen und Gegebenheiten in der Ortsgemeinde Stadecken-Elsheim hat er jedoch genauso wenig zu tun, wie der berühmte Sack Reis, der in China mal gelegentlich umfällt. Warum die AZ Mainz über den „Vorstoß“ im Lokalteil berichtet, ist kaum nachvollziehbar; es sei denn, man jubelt die vorformulierte Pressemitteilung eines örtlichen Wichtigtuers zu einem wichtigen und interessanten lokalen Ereignis hoch und von dem man meint, dass es die Menschen in der Gemeinde brennend interessiert. Sollte dies der Fall sein, müssen wir uns in Stadecken-Elsheim darauf einstellen, dass die AZ Mainz in Zukunft über jedes, noch so schwachsinnige und belanglose Ereignis im Lokalteil ihres Blattes berichtet, nur weil Wichtigtuer und Schaumschläger Barth dazu seinen Senf gibt.

Bestes Beispiel „„Ein qualifizierter Schulabschluss ist eine immens wichtige Voraussetzung für den individuellen Bildungsweg von jungen Menschen und für einen Erfolg im Berufsleben.“ Wer sich nicht scheut, heute noch diese Binsenwahrheit und allgemein anerkannt soziologische Erkenntnis auszusprechen, der sollte mit einem strikten und unbefristeten Phrasen – und Worthülsenverbot bestraft werden. Das muss man sich nicht länger gefallen lassen.

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