Wie nicht anders zu erwarten, hat der Bauern- und Winzerverein Stadecken-Elsheim jetzt zum Sturm gegen die geplante Sternwarte geblasen und in einem Artikel der AZ Mainz verräterisch einen Bebauungsplan für das Projekt „gefordert.“ Als ob wir es bereits geahnt hätten, haben wir schon 2014 unter den Titel „Still ruht der See – Guckt Stadecken-Elsheim durch die Röhre?“ und 1 Jahr später unter  „Sternwarte auf der Kippe? – Noch kein grünes Licht vom Bauern- und Winzerverein? parodistisch auf die Machenschaften dieses dubiosen Vereins hingewiesen. Und plötzlich steigt mit Beck, Eppelmann und Schott ein „astronomisches  Dreigestirn“ in die AZ-Bütt und treibt mit seinem Blödsinn und Kokolores halb Rheinhessen die Tränen in die Augen – gerade so, als ob die Karnevalszeit noch längst nicht vorbei wäre.

Scheinheilig beteuert der Vorsitzende des Bauern- und Winzervereins, dass „man gar nicht grundsätzlich etwas gegen die Pläne der Astronomie-Freunde“ habe, während sich gleichzeitig die 3 Protagonisten des Vereins auf dem Foto zum Artikel vor dem historischen Wasserhäuschen in Stellung bringen und an ihren Gesichtern schon abzulesen ist, was sie über die geplante Sternwarte denken. Und dann lassen sie textlich die beleidigte Leberwurst raushängen:

  1. „Mit uns wird nicht gesprochen –
  2. und es gibt Dinge, die einfach ungeklärt und ungeregelt sind.“

Zu 1: „Mit uns wird nicht gesprochen.“
Diese Behauptung ist eine glatte Lüge. Schon 2014 haben wir kritisiert (siehe hier), dass der unterwürfige Ex-Ortsbürgermeister Müller nicht den Gemeinderat, sondern in vorauseilendem Gehorsam erst den Bauern- und Winzerverein um „Stellungnahme“ zum geplanten Bau einer Sternwarte gebeten hat. Der Bauern und Winzerverein ist seitdem über die Planung bestens informiert. Wenn dann noch allseits bekannt ist, dass beinahe die Hälfte des Gemeinderats aus Mitgliedern des Bauern- und Winzervereins besteht, dann sollte man sich nicht als dämlicher hinstellen als man ist und behaupten, von allem nichts zu wissen. Unaufrichtiger geht’s eigentlich nimmer. Das ist reines Schmierentheater, was da gespielt wird.

Die obige Lüge zeigt auch wieder einmal, wie sich dieser großmannssüchtige Interessen-Verein aufspielt und nach Gutdünken und Gutsherrenart versucht, darüber zu entscheiden, was in dieser Gemeinde geschehen darf oder nicht. Im eigentlichen Sinne möchte uns der Bauern- und Winzerverein, der rigoros und einseitig die Interessen seiner Mitglieder vertritt, sagen: „Ohne uns läuft in dieser Ortsgemeinde erst einmal gar nichts! Erst kommen wir, dann erst die anderen! Punkt! Aus! Basta!“ Das ist die eigentliche Botschaft dieses Vereins, der sich aus einleuchtenden Gründen seit langem davor scheut, sich wie andere Vereine in das Vereinsregister eintragen zu lassen.

Nun könnte man über die Anmaßung und die Selbstherrlichkeit dieses Vereins lachen und hinwegsehen, wenn nicht in der Vergangenheit durch diese ewig gestrige Minderheit fortschrittliche und zukunftsorientierte Projekte permanent blockiert worden wären. Damit sollte endlich Schluss sein. Diesen selbsternannten „Gutsherren“ und abgehobenen Wichtigtuern muss endlich einmal gesagt werden, dass die Geschicke der Menschen und die Weiterentwicklung der Gemeinde nicht von einer rückwärts gewandten Minderheit, sondern von einer aufgeschlossenen und fortschrittlich denkenden Mehrheit bestimmt werden. Ansonsten bestände nämlich die Gefahr, dass rund um unsere Ortsgemeinde Innovation und Moderne Einzug hält, während Stadecken-Elsheim auf die Stufe einer abgehängten und hinterwäldlerisch orientierten Gemeinde zurückfällt und den anderen weit hinterherhinkt. Und das kann doch wohl ernsthaft keiner wollen.

Zu 2.: „und es gibt Dinge, die einfach ungeklärt und ungeregelt sind.“
Natürlich ist es richtig, dass ein paar Dinge noch geklärt und geregelt werden müssen. Das liegt doch in der Natur der Sache eines solchen Projektes und gilt insbesondere für die An- und Abfahrt sowie für die Parkraumsituation am vorgesehenen Standort. Darüber zu lamentieren, ist müßig. Natürlich muss eine vernünftige Verkehrsregelung her.Dass sich aber jetzt der Bauern- und Winzerverein scheinheilig sorgen um die Verkehrssicherheit und das Leben der potentiellen Sternwartebesucher macht, „wenn an- und abfahrende Autos der Sternwarten-Besucher auf dem schmalen Feldweg auf Traktoren treffen“ und das „womöglich nachts, im Winter, wenn die Wege glatt sein könnten“, das ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten und übelste Stimmungsmache. Denn, das sagen ausgerechnet die Herren, die mit ihrem Großgerät rücksichtslos Spaziergänger, Radler und Jogger von den Wirtschaftswegen scheuchen, die hemmungslos Geschwindigkeitsbeschränkungen missachten, für deren 40-Tonner eine devote Gemeindeverwaltung die Ortsstraßen freihält, die den Bürgerinnen und Bürger dringend benötigten Parkraum wegnehmen und für die zu Lasten der Allgemeinheit ordnungswidrige Straßenmarkierungen wie Halte- und Durchfahrtsverbote, Ladezonen oder ähnliche Verkehrsbehinderungen eingerichtet werden.

Und es sind auch dieselben Herren, die das Leben und den Tod der Besucherinnen und Besucher dann klaglos in Kauf nehmen, wenn Sie ihre jährlichen Großveranstaltungen auf der Stadecker Warte durchführen und dabei mehr Fahrzeuge den Wirtschaftsweg befahren, als wie dies während des gesamten Jahres für den Besuch der Sternwarte der Fall sein würde. Und noch etwas: Wirtschaftswege sind nicht Eigentum des Bauern- und Winzervereins und über die Nutzung entscheidet einzig und allein die Gemeinde.

An Heuchelei kaum noch zu übertreffen ist der Bauern- und Winzervereins, wenn er für die geplante Sternwarte die Aufstellung eines Bebauungsplans fordert, „und zwar einer, den die Astronomische Arbeitsgemeinschaft zahlt. Die will ja bauen, da kann es nicht sein, dass die Kosten an der Öffentlichkeit, an der Gemeinde hängen bleiben.“  So etwas Perfides und Schmutziges haben wir schon lange nicht mehr gehört. Dabei sind sich diese Herren noch nicht einmal zu schade, die Größe der jetzigen Sternwarte in Klein-Winterheim anzuführen und sie mit dem völlig anders ausgelegtem Konzept in Stadecken-Elsheim zu vergleichen.

Unumwunden gibt man in dem Artikel gleich zu, dass man sich mit der Aufstellung eines Bebauungsplans größere, rechtliche Chancen einräumt, das Projekt zu Fall zu bringen. Gut, das mag so sein. Wenn aber plötzlich der Bauern- und Winzerverein einen Bebauungsplan fordert, dann muss er sich auch fragen lassen, warum viele seiner Mitglieder vom privilegierten Bauen profitiert haben und ohne Bebauungsplan ihre prunkvollen Anwesen im Außenbereich der Gemeinde erstellen durften, die bei weitem die Ausmaße der geplanten Sternwarte mit Turm, Toilette und Foyer übersteigen. Da wurde auch kein Anlieger gefragt. Und bei diesen Aussiedlungen handelt es sich teilweise noch nicht einmal um Betriebsstätten, sondern um Schein-Betriebsstätten, teilweise um reine Wohnhäuser oder auch angegliederte, unerlaubte Ferienwohnungen. Wie man dafür überhaupt die Genehmigung für das kostengünstige, privilegierte Bauen bekommen konnte, darüber rätseln immer mehr Menschen in der Ortsgemeinde und fragen sich ernsthaft, ob man in dieser Gemeinde bestimmte Kriterien erfüllen muss, um in den Genuss des privilegierten Bauens zu kommen.

Und noch etwas, auch wenn dieser Artikel lang und länger wird: Es sind die Winzer und Weinbauern, die in der Vergangenheit für Werbe- und Verkaufsförderungsaktionen ungerechtfertigt Gelder aus der Gemeindekasse Gelder erhalten haben und denen es sogar gelungen ist, mit einem willfährigen Gemeinderat einen großen Teil der Erhaltungskosten für einen Wirtschaftsweg auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Wer dann bei einem eventuellen Bebauungsplan davon spricht, das die Kosten nicht „an der Gemeinde hängen bleiben“ dürfen, der misst mit zweierlei Maß und ist wegen einer solchen Scheinheiligkeit nicht mehr ernst zu nehmen.

Mehr als peinlich ist auch die Nummer des selbsternannten „Astronomen“ Eppelmann, der sich als Experte für Lichtschmutzverhältnisse outet und mit wirren Argumenten den vorgesehenen Standort am historischen Wasserhäuschen wegen überhöhter Lichtverschmutzung für ungeeignet erklärt. Offensichtlich ist diesem „Universalgenie“ kein Argument dumm genug, um sich gegen das geplante Projekt auszusprechen. Für wie dumm hält dieser Mann eigentlich die Menschen in der Gemeinde? Und wie lange sollen sich die Bürgerinnen und Bürger noch von diesen abgehobenen Egomanen auf der Nase rumtanzen lassen? Die Rheinhessen Sternwarte in Stadecken-Elsheim wird und darf nicht am Widerstand einer kleinen, reaktionären und fortschrittsfeindlichen Minderheit scheitern.

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10 Gedanken zu „Wie erwartet: Bauern- und Winzerverein schießt aus vollem (Fern)Rohr gegen geplante Sternwarte.

  1. man sollte doch Winzer nicht geistig überfordern und zu viel von diesem Berufsstand erwarten: Schon einmal davon gehört, dass in der Berufsschule Physik geschweige denn Astronomie durchgenommen wird? Ein Winzer muss doch noch nicht einmal Abitur haben. Auf diesem niedrigen Level befinden wir uns doch hier. Der örtliche Winzerverband hat sich gerade dazu durchgerungen, dass die Erde keine Scheibe mehr ist, da soll doch nicht eine Sternwarte an ihrem geozentrischen Weltbild rütteln.

    • Forum-Redaktion sagt:
      29/05/2017 um 22:21 (Bearbeiten)
      Wir möchten eigentlich das von uns angesprochene Problem nicht auf das Bildungsniveau der Mitglieder des Bauern- und Winzervereins reduzieren. Das wäre der Bedeutung der Angelegenheit nicht angemessen. Ob die Weinbauern und Winzer in Stadecken-Elsheim Abitur oder gar eine akademische Ausbildung haben, spielt für eine objektive gesellschaftspolitische Bewertung und die lokalen Aktionen dieser Berufsgruppe keine Rolle.

      Wir wissen, dass es unabhängig von der Schulbildung oder sonstiger Qualifikationen unter den Mitgliedern des Bauern und Winzervereins aufgeschlossene und fortschrittlich denkende Mitglieder gibt, die nicht allein auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, sich als integrierter und gleichberechtigter Bestandteil der Bürgerschaft verstehen und ihrer Verantwortung gerecht werden.

      Demgegenüber steht eine kleine, abgehobene Minderheit von Wichtigtuer dieser Berufsgruppe, die ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung für die Ortsgemeinde völlig überschätzt und die irre Vorstellung vertritt, den Bürgerinnen und Bürger vorschreiben zu können, was in dieser Gemeinde zu geschehen hat. Das geht schon seit Jahrzehnten so und ist einer der Gründe dafür, warum diese Damen und Herren mit über einem Drittel den Gemeinderat dominieren. Eine solche Konstellation widerspricht dem demokratischen Prinzip und ist schädlich für die Allgemeinheit.

  2. Kurze Frage als Nicht-Astronom: Warum braucht Stadecken-Elsheim eine Sternwarte? Mehr Steuereinnahmen? Eher nicht. Dafür mehr Verkehr. Gut, als Ausgleich für das entstehende Verkehrschaos im Zuge der Sanierung der Mainzer Straße wäre das zumindest ein fairer „Ausgleich“ für den OT Stadecken.

  3. Die Spinner sollen sich um ihren Wein kümmern und nicht alles blockieren. Stadecken-Elsheim braucht die Sternwarte. Das geht doch die Winzer nichts an.

  4. „Es muss ein Bebauungsplan her, und zwar einer, den die Astronomische Arbeitsgemeinschaft zahlt. “

    Man kann es auch anders definieren: Bezahlen soll der, der einen Bebauungsplan fordert. Also dieser dubiose Winzerverein, der nicht im Vereinsregister RhLpf zu finden ist.

    „Sprecher der Aufbaugemeinschaft“

    Von welcher Aufbaugemeinschaft ist denn Herr Beck? Welche Gemeinschaft steckt dahinter – oder ist das eine private Aufbaugemeinschaft, bestehend aus drei Winzern?

    „Privilegierte Baumaßnahmen können außerorts auch ohne Bebauungsplan unter besonderen Voraussetzungen verwirklicht werden, Beispiele sind Aussiedlerhöfe und landwirtschaftlich genutzte Hallen.“

    Zählen zu den privilegierten Baumaßnahmen auch Aussiedlerhöfe, die teilweise vermietet werden und Gästezimmer anbieten? Hat da die Bauverwaltung geschlafen oder waren da die Weinpräsente ausreichend genug?

    • Wir haben auch erst gedacht, dass es sich bei der Aufbaugesellschaft um einen Geheimbund wie die Freimaurerloge P2 im Vatikan handelt, bis wir herausgefunden haben, dass diese seltsame Organisation eine Anstalt des öffentlichen Rechts ist, die auf der Grundlage des WAG (Weinbergsaufbaugesetz RLP, gibt es nur in RLP, kennt kein Mensch), ebenso wie der Bauern- und Winzerverein verdeckt und im Hintergrund agiert und sich um alle Angelegenheit der Weinbergsbesitzer in Stadecken-Elsheim, insbesondere um die Flurbereinigung und die Reblausbekämpfung kümmert. Natürlich werden auch die Aktivitäten der Aufbaugesellschaft kräftig mit Steuergeldern subventioniert.

      Ob die Bauaufsichtsbehörde in Ingelheim geschlafen hat oder ob da einige Fuder Wein geflossen sind, wissen wir natürlich nicht. Aber es ist doch schon arg seltsam, dass im Außenbereich der Gemeinde zahlreiche Ferienwohnungen und prachtvolle Wohnhäuser von Aussiedlern entstanden sind, in denen noch nie ein Aussiedler und noch nicht an einem einzigen Tag ihres Bestehens ein Gegenstand zur Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten gesichtet wurde. Und einem gemeinnützigen Verein wie der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft wird dann der Bau einer Toilette verweigert. Da fasst man sich nur noch fassungslos an den Kopf.

  5. Es wäre sehr traurig, wenn so ein himmlisches Projekt wie die Sternwarte von egoistischen und dummen Bauern verhindert werden würde.

  6. Es wäre für Stadecken-Elsheim ein großer Gewinn, wenn sich die Sternwarte hier niederlassen könnte. Ich fände es sehr schade, wenn das Projekt wegen solcher Wutbürger, die hier im Ort ohnehin schon das Paradies haben, nicht realisiert wird.

    • Das sind keine Wutbürger. Die könnte man ja noch verstehen. Das hier sind abgehobene Wichtigtuer, die viel zu lange von der Gemeindeverwaltung gepampert wurden und nur ihren eigenen Vorteil im Auge haben.

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