Welche Kapriolen das wahre Leben so schlagen kann, haben wir erst gerade wieder erfahren, als wir in einem Artikel der AZ Mainz lesen konnten, dass der ehemalige Landrat Schick dem ehemaligen Ortsbürgermeister Müller den Bachpatenvertrag der Kreisverwaltung Mainz-Bingen überreicht hat (siehe hier). Müller wurde dadurch zum Bachpaten ernannt, ein Teilbereich der Selz ist jetzt Bachpatenkind von Hermann Müller

Offen gestanden, haben wir erst einmal mit dem Begriff Bachpate überhaupt nichts anfangen können. Zunächst haben wir gedacht, dass man das Bachpatentum extra für den Ex-Landrat Schick erfunden hätte, um ihm durch die Verleihung den Übergang ins Rentnerdasein ein wenig zu erleichtern. Dann ist uns der Komponist Johann Sebastian Bach dazu eingefallen, was uns aber für eine Müller’sche Patenschaft auch ein bisschen zu weit hergeholt schien. Schließlich haben wir dann um Hilfe gegoogelt und herausgefunden, dass ein Bachpate ein Mitarbeiter ist, der sich ehrenamtlich bei der Pflege und Entwicklung von Gewässern einbringt, Mitarbeit bei der Gewässerpflege leistet und über Gewässerbeeinträchtigungen informiert. Darauf muss man doch erst einmal kommen.

Bachpate Müller ist jetzt beispielsweise für den Bereich der Selz ab der A 63 bei Nieder-Olm bis zur Gemarkungsgrenze Schwabenheim zuständig und mit wichtigen Naturerhaltungsmaßnahmen betraut. Wenn Sie also den Ex-Ortsbürgermeister demnächst dabei beobachten, wie er bei seinem Patenkind gewissenhaft den Wasserstand und den Säuregrad misst oder anderweitig hegend und pflegend in den Flussverlauf eingreift, dann denken Sie bitte daran, dass Sie einem Menschen gegenüberstehen, der nach jahrzehntelanger Irrfahrt und verzweifelter Sinnsuche endlich seine Berufung in der stark geschundenen Natur gefunden hat.

Nun steht jedem Menschen das Recht zu, auch in hohem Alter sein Leben von Grund auf zu ändern und den rechten Weg respektive Bach einzuschlagen. Woher allerdings der Gesinnungswandel bei Müller rührt, ist beim besten Willen nicht auszumachen. Denn während seiner Amtszeit war von der Berufung des „Umwelt- und Naturschützers“ Müller kaum etwas zu spüren. Im Gegenteil: Während seiner 10jährigen Amtszeit hat er sich überwiegend dadurch hervorgetan, einen Bebauungsplan nach dem anderen aufzustellen und alles, was nicht niet- und nagelfest war, zubetoniert. Jede, noch so kleine, bebaubare Frei- und Nutzfläche, die nicht bei Drei eingezäunt und vor seinem Zugriff sicher war, wurde als Baugebiet ausgewiesen – immer mit der scheinheiligen Begründung, Wohnraum für die jungen Familien der Gemeinde schaffen zu wollen, die dann doch lieber woanders gebaut und die Grundstücke Ortsfremden überlassen haben.

Die Wandlung vom Saulus zum Paulus nehmen wir Müller nicht ab. Bereits in einem früheren Beitrag haben wir dargelegt, dass wir an seinem Gesinnungswandel starke Zweifel haben (siehe hier). Daran hat sich auch durch seiner Bachpatenschaft nichts geändert. Selbst wenn Müller demnächst noch zum Ranger und Wildhüter für die Saubach-Auen ernannt werden würde, bleiben wir bei unserer Meinung.

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