Über Jahrzehnte hinweg haben die Hobby- und Freizeitpolitiker in unserer Gemeindeverwaltung die Ausweisung neuer Baugebiete scheinheilig damit begründet, Wohnraum für junge Familien und sonstige Interessenten aus der Ortsgemeinde zu schaffen. Dieses Lügengebäude ist spätestens dann in sich zusammengebrochen, als im Neubaugebiet „In den acht Morgen“ seinerzeit nur 12,6 % der über 50 Grundstücke an Stadecken-Elsheimer verkauft wurden – Der große Rest ging an auswärtige Interessenten. Auch in den danach ausgewiesenen Bebauungsgebieten war der Anteil auswärtiger Grundstückskäufer immer noch relativ hoch. Für den Eigenbedarf der Gemeinde hätte man nie solch riesige Neubaugebiete ausweisen müssen.

Man braucht auch nicht lange um den heißen Brei herumzureden: Es sind überwiegend finanzielle Interessen, die bei den Akteuren im Vordergrund stehen – Finanzielle Interessen der Gemeindeverwaltung, finanzielle Interessen auf Seiten der verkaufsbereiten Grundstückseigentümer und, wenn man so will, im Spezialfall Stadecken-Elsheim, häufig auch die Interessen einiger Gemeinderatsmitglieder.

In der Regel macht eine Gemeindeverwaltung das geplante Bebauungsgebiert zu Bauerwartungsland und kauft es zum relativ günstigenVerkehrswert von den Grundstückseigentümern.  Danach erschließt sie die Grundstücke selbst und vermarktet sie dann profitabel als erschlossenes Bauland an die Grundstückskäufer. Dadurch fließt einiges an Geld in die Gemeindekasse und ein Gemeinderat kann damit Wunschträume erfollen oder bei Prestigeobjekten klotzen, wo man auch kleckern könnte. Auf der anderen Seite stehen die Grundstückseigentümer, die sehnsüchtig auf die Ausweisung warten und für die der Verkehrswert ihrer Grundstücke nicht hoch genug sein kann. Denn mit 13,00 – 16,00 €/m² für Ackerfläche und 100,00 – 120,00 €/m² für Bauerwartungsland lässt sich schon ein ganz schönes Schnäppchen machen. Dagegen ist eigentlich auch gar nichts einzuwenden, solange die Absichten eingeräumt, die Verhältnisse offengelegt und die Bürgerinnen & Bürger mit scheinheiligen und vorgeschobenene Behauptungen nicht für dumm verkauft werden.

So ziehen alle Beteiligten aus der Situation ihren Vorteil. Manchmal geht das gemeinsame Geschacher so weit, dass die Gemeinden die Grundstückseigentümer sogar dabei unterstützen, die drohende Besteuerung von sogenannten „Spekulationsgewinnen“ zu vermeiden. Naturgemäß gehören die Grundstücke in den potentiellen Baugebieten überwiegend der Wein- und Landwirtschaft, insbesondere, wenn es sich um landwirtschaftliche Flächen im Außenbereich handelt. Und so nimmt es denn nicht Wunder -wir übertreiben jetzt einmal- wenn bei der Beratung und Abstimmung über potentielle Bebauungsgebiete der halbe Gemeinderat im Zuschauerraum Platz nehmen muss, um den Vorwurf der Befangenheit vorzubeugen. Davon sind jedoch nicht die Interessen dieser Ratsmitglieder betroffen.

Nachdem also die Interessenlage aller Beteiligten bei der Ausweisung neuer Bebauungsgebiete eindeutig und klar ist, ist es umso unverständlicher, warum Ortsbürgermeister Barth und der Beigeordnete Ruf beim Ankauf der Grundstücke in dem geplanten Bebauungsgebiet „Schwalbenruh“ keinen Millimeter vorankommen. Wie jetzt zu hören ist, wollen einige Grundstückseigentümer überhaupt nicht, andere nur zu einem höheren Preis verkaufen. Das Projekt steht auf der Kippe und lässt sich in seiner ursprünglichen Form schon jetzt nicht mehr realisieren. Barth und Ruf wird vorgeworfen, einige der vormals verkaufsbereiten Eigentümer durch rüdes und unsensibles Vorgehen verprellt und verärgert zu haben (siehe auch hier und hier). Das wäre nicht das erste Mal, dass der Ortsbürgermeister nach Gutherrenart vorgeht und durch Überheblichkeit, Arroganz und Uneinsichtigkeit ein geplantes Gemeindeprojekt gegen die Wand fährt. Barth soll sich mittlerweile so oberlehrerhaft und beratungsresistent zeigen, dass man in einigen Gremien der Gemeinde verwundert den Kopf schüttelt.

Ungeachtet dessen tut er so, als ob nur noch eine winzige Unterschrift zur Realisierung des Projekts fehlt und lässt den Gemeinderat bereits über Erschließungsmaßnahmen wie eine schalltechnische Untersuchung, ein Bodengutachten und eine topographische Vermessung beschließen, die in den nächsten Wochen für viel Geld vorgenommen werden sollen. So zäumt man ein Pferd vom Schwanz auf und versucht, von der stümperhaften und unprofessionellen Vorgehensweise beim Ankauf der Grundstücke abzulenken. Bei aller Distanz zur geplanten Ausweisung, ist zu hoffen, dass dieses Geld nicht zum Fenster hinausgeschmissen wird.

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