Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen (siehe hier, hier und hier), dass der sogenannte „Neujahrsempfang der Gemeinde“ vorrangig als Werbe- und PR-Veranstaltung sowie zur Selbst- und Eigendarstellung des eitlen und selbstgefälligen Ortsbürgermeisters missbraucht wird. Mittlerweile ist es so weit, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger seine Eigenlobhudelei und Selbstbeweihräucherung nicht mehr ertragen können und die Veranstaltung erst gar nicht mehr besuchen. Wir gehen deshalb heute bewusst nicht auf den Inhalt der diesjährigen Veranstaltung ein. Stellvertretend für einen typischen, unter Barth ablaufenden „Neujahrsempfang“ möchten wir uns stattdessen und ausnahmsweise einmal selbst zitieren:

„Unter der Ägide des an diesem Abend vor Pathos strotzenden Ortsbürgermeisters Barth und seines Zeremonienmeisters Paschke feiert die Gemeindeverwaltung und der Ortsbürgermeister sich erst einmal selbst. Und das nicht zu knapp. In einem kurzen Jahresrückblick wird erst einmal lange auf die Pauke gehauen: Stolz ist man auf das gemeinsam Geleistete, auf die Überwindung aller Hindernisse und auf die Erfolge, die unter großen Mühen errungenen werden konnten. Jede noch so kleine Nichtig- und Selbstverständlichkeit wird zur Großtat hochgejubelt und man tut gerade so, als ob ohne den unermüdlichen Einsatz der Gemeindeverwaltung und des Ortsbürgermeister in Stadecken-Elsheim die Lichter ausgegangen wären, um dann den unvermeidlichen Blick mutig nach vorn zu werfen. Dort erblickt dann ein besorgter Ortsbürgermeister Herausforderungen, die überwunden werden müssen, Aufgaben, die nur gemeinsam bewältigt werden können und Projekte, die mit Mut und Weitsicht angegangen werden müssen. Aber auch Hoffnung wird vermittelt, nämlich dann, wenn der nebenberuflich tätige Ortsbürgermeister Zuversicht und Tatkraft in seinem markanten Antlitz aufblitzen und die Anwesenden spüren lässt, dass er die anstehenden Dinge mit seiner zupackenden Art schon wuppen wird.
Begleitet wird das gesamte Gesülze und Geschwafel vom Jugendorchester der CMIKB, das zumindest mit seinen musikalischen Beiträgen dafür sorgt, dass die aufgeblasene und mit Eigenlob durchtränkte Phrasendrescherei noch einigermaßen zu ertragen ist. Zur Staffage dienen auch die zu Statisten degradierte Mitbürgerinnen & Mitbürger, Vereins- oder sonstige Mitglieder, die auf die Bühne gezerrt werden, weil sie sich in der Ortsgemeinde oder woanders hervorgetan haben. Dazu zählen auch die vielen, ehrenamtlich tätigen Menschen in unserer Gemeinde, die das lieblose Getue ebenfalls über sich ergehen lassen müssen. Allerdings empfinden wir es als große Heuchelei, wenn diesen, unentgeltlich tätigen Personen durch einen Ortsbürgermeister gedankt wird, der sich für seine eigene ehrenamtliche Tätigkeit monatlich mit einem Viertel seines Lehrergehalts bezahlen lässt.“

Aus diesem, eigentlich unbestreitbaren Sachverhalt leiten wir Folgendes ab:

  • Wir brauchen keinen Neujahrsempfangs, bei dem ein Ortsbürgermeister die Bühne vorwiegend zur Selbstdarstellung nutzt und mit seinem Gesülze und Geschwafel das Publikum langweilt
  • Wir brauchen keinen Neujahrsempfang, bei dem in Nebenrollen auftretende Beigeordnete bräsig die Bühne in Beschlag nehmen und gelangweilt ins Publikum schauen
  • Wir brauchen keinen Neujahrsempfang, bei dem ein gockelhaft dampfplaudernder Hobby-Conférencier die zu ehrenden Menschen lieblos auf die Bühne zerrt, sie vorführt und mit respekt- und niveaulosen Fragen malträtiert.
  • Wir brauchen keinen Neujahrsempfang, bei dem die Ortsvereine und Bürgerinitiativen nur als Staffage dienen und sich im abgedunkelten Hallenbereich auf mittelalterlichen Holzdisplays kümmerlich präsentieren dürfen.
  • Wir brauchen keinen Neujahrsempfang, bei dem Kinder- und Jugendliche inhaltlich total ausgegrenzt werden und denen die gesamte, aufgeblasene Werbe-Veranstaltung quasi am A…. vorbeigeht.

Stattdessen brauchen wir einen Bürger- und Gemeindetag, an dem ausschließlich die Menschen der Ortsgemeinde im Mittelpunkt stehen, die Ausübung einer ehrenamtlichen Tätigkeit respektvoll gewürdig wird, die Vereine und Bürgerinitiativen ihr Leistungsvermögen überzeugend präsentieren können und Kinder und Jugendliche in die Veranstaltung miteinbezogen werden. Und wir brauchen einen Bürger- und Gemeindetag, an dem auch für ausreichend Freibier/-wein und Spießbraten gesorgt ist. Und natürlich brauchen wir auch einen bescheiden, in den Hintergrund tretenden Ortsbürgermeister, der sich einmal zurücknimmt und den Menschen nicht mit seinem selbstherrlichen Geplapper und aufgesetzten Geschwafel auf die Nerven geht.

Das wäre doch einmal ein hervorragender Ansatz, für den wir gerne die Urheberschaft übernehmen. Denn auch aufs Feiern und Vergnügen verstehen wir uns. Im Fokus des „Neujahrsempfangs der Gemeinde“ stände dann nur noch Ortsbürgermeister Barth, der dann mit seinem obligatorischen „Blick-Zurück“ und dem zuversichtlichen „Blick-Nach-Vorn“ seine Anhängerschaft begeistern könnte.

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